Denkanstöße . . .

Seligkeit und Verdammnis - von Hans Payerbach
(Mindener Tageblatt vom 05.11.1983 - www.mt.de)

Ein alter Pfarrer lag im Sterben. Er hatte jahrzehntelang über das Leben nach dem Tod gepredigt, über Himmel und Hölle, aber jetzt, in seiner letzten Stunde, kamen ihm mit einemal Zweifel an den eigenen Lehren. Wie mochte es wirklich aussehen im Reich der Seligen und in dem der ewigen Verdammnis?

Inbrünstig betete er um Frieden für seine Seele. Als er geendet hatte, gewahrte er am Fußende seines Bettes die verschwommenen Umrisse zweier männlicher Gestalten. Er erkannte sie sofort. Die große, kräftige war Moses, die andere Petrus, der Fischer. Sie winkten ihm, und er erhob sich und folgte ihnen durch das Sternenmeer des Nachthimmels bis zu einem mächtigen Bauwerk. Dort sagte Petrus: "Das Reich Gottes besteht aus vielen Hallen, ebenso die Hölle. Tritt ein! Wir zeigen dir den ersten Saal des Satansreiches.

Drinnen schlug ihnen ein fürchterliches Klagegeheul entgegen. Viele Menschen saßen um einen großen Tisch, in dessen Mitte eine Schüssel mit Ragout stand, dem Leibgericht des Pfarrers. Obwohl jeder einen Löffel hatte und die Schüssel erreichen konnte, litten alle Hunger, denn die Löffel waren doppelt so lang wie ihre Arme und an den Händen festgebunden, so dass sie sich wohl etwas von dem Essen nehmen, es aber nicht zum Mund führen konnten. Die armen Seelen jammerten so herzzerreißend, dass der Geistliche Petrus und Moses bat, ihn wegzuführen.

Sie brachten ihn zu einem anderen Bauwerk, fern von dem ersten. Moses sagte, es sei der Vorhof des Paradieses, und hieß ihn eintreten. Auch hier saßen viele Menschen um einen großen Tisch mit einer Schüssel Ragout darauf, und die Leute hatten genauso lange Löffel. Aber niemand musste Hunger leiden: Sie fütterten sich gegenseitig.



Warum es keinen Krieg geben kann
(Mindener Tageblatt vom 31.10.1987 - www.mt.de)

Als der Krieg zwischen den beiden benachbarten Völkern unvermeidlich war, schickten die feindlichen Feldherren Späher aus, um zu erkunden, wo man am leichtesten in das Nachbarland einfallen könnte. Und die Kundschafter kehrten zurück und berichteten ungefähr mit den gleichen Worten ihren Vorgesetzten, es gäbe nur eine Stelle an der Grenze, um in das andere Land einzubrechen.

"Dort aber", sagten sie, "wohnt ein braver, kleiner Bauer in einem kleinen Haus mit seiner anmutigen Frau. Sie haben einander lieb, und es heißt, sie seien die glücklichsten Menschen auf der Welt. Sie haben ein Kind. Wenn wir nun über das kleine Grundstück in Feindesland einmarschieren, dann würden wir das Glück zerstören. Also kann es keinen Krieg geben."

Das sahen die Feldherren denn auch wohl oder übel ein und der Krieg unterblieb, wie jeder Mensch begreifen wird.



Der Spielplatz - von Paul Bourfeind
(Mindener Tageblatt vom 31.08.1985 - www.mt.de)

Sie standen am Spielplatz, wo die Knaben sich tummelten, als Hsi Huan den Meister Mengtse fragte: "Sage mir doch, wie es kommt, dass alle Menschen glücklich sein sollen und es doch nicht werden. Warum sind die Menschen nicht glücklich?"

Mengtse wies auf die spielenden Knaben: "Ich meine, die da sind glücklich."

"Wie sollten sie nicht", entgegnete Hsi Huan. "Es sind Kinder und sie spielen. Wie ist es aber um das Glück der Erwachsenen bestellt?"

"Wie um das Glück der Kinder, genauso", entgegnete Mengtse.

Indem er das sagte, hatte er aus dem weiten Ärmel seines Gewandes eine Handvoll Kupfermünzen hervorgeholt und warf sie unter die spielenden Knaben. Da verstummte mit einem Male das fröhliche Lachen, und die Knaben stürzten sich auf die Kupfermünzen, um sie zu haschen. Jeder von ihnen wollte möglichst viele an sich bringen. Sie lagen am Boden und rauften um ihren Besitz. Geschrei und Gezeter hatte das frohe Lachen abgelöst. Das Triumpfgeheul der glücklichen Eroberer und das weinerliche Schelten der Unterlegenen stieg über die Baumwipfel empor zum blauen Himmel, der ebenso unbeteiligt wie vorher dem Spiel, nun dem Streit zuschaute.

"Und dann", fragte Mengtse, "was hat ihr Glück zerstört?"

"Der Streit", erwiderte Hsi Huan.

"Und wer erzeugte den Streit?"

"Die Gier", erwiderte Hsi Huan.

"Da hast du die Antwort auf deine Frage. Alle Menschen erfüllt die Sehnsucht nach dem Glück, aber die Gier in ihnen, es zu erjagen, bringt sie gerade um das, was sie sich sehnlichst wünschen."



Der Traum des Sultan Soliman
(Mindener Tageblatt vom 07.09.1991 - www.mt.de)

Der Sultan Soliman hatte geträumt, er verliere alle Zähne. Gleich nach dem Erwachen fragte er seinen Traumdeuter nach dem Sinn des Traumes. "Ach welch ein Unglück, oh Herr!" rief dieser aus. "Jeder verlorene Zahn bedeutet den Verlust eines Angehörigen!"

"Was du Hund?!" schrie da der Sultan auf, "das wagst du mir zu sagen?! Fort mit dir!" Und er gab den Befehl: "Fünfzig Stockschläge diesem Unverschämten."

Während der Traumdeuter seine Strafe bekam, wurde ein anderer Traumdeuter gerufen und vor den Sultan geführt. Als er von dem Traum erfahren hatte, hob er wie in Verzückung die Hände und verkündete: "Oh, welch ein Glück! Heil ist unserem Herrn beschieden. Unser Sultan wird all die Seinen überleben!"

Da heiterte sich das Gesicht des Sultans auf, und er sagte freundlich: "Ich danke dir, mein Freund. Gehe sogleich zu meinem Schatzmeister und lasse dir von ihm fünfzig Goldstücke geben. Du hast sie verdient, denn du siehst mehr als andere Sterbliche!"

Als der Traumdeuter den Palast verließ, sagte ein Hofherr zu ihm: "Sag, du hast des Sultans Traum doch nicht anders gedeutet als der erste Traumdeuter!"

Der schlaue Traumdeuter erwiderte lächelnd: "Merke dir, man kann alles sagen - es kommt nur darauf an, wie man es sagt."



Die verlorene Zeit - von Heinz Junker
(Mindener Tageblatt vom 15.11.1986 - www.mt.de)

Das altindische Epos "Mahabharata" wurde in früheren Jahrhunderten wochenlang hintereinander aufgeführt und aus dem Gedächtnis zitiert. Von den Heldentaten des großen (maha) Bharata liegt jetzt eine europäische Fassung vor: drei Abende lang.

Die japanische Freundin schämt sich, wenn man sie Ikebana-Künstlerin nennt. Sie hat fürs Blumenstecken nur einen Blitzkurs von acht Jahren mitgemacht.

Zeit-Erlebnisse sind für uns moderne Westler offenbar nur noch in Kürzest-Fassung erträglich. Otto, Deutschlands größter Ostfriese, baut seine Sketche so lang, wie heutzutage die Video-Clips sind. Schon Tucholsky schrieb, dass Berliner spätestens nach fünf Minuten aufspringen und rufen: "Wo ist hier das nächste Telefon?"

Wir haben keine Zeit mehr. Für Dante war das Schreiben der "Göttlichen Komödie" eine Lebensaufgabe. Nietzsche konnte wie die altchinesischen Kalligraphen oder Aquarellmaler sagen: "Meisterschaft ist dann erreicht, wenn die Hand weder zögert noch sich vergreift." Was eine Jahrzehntelange Übung voraussetzt. Jetzt überschlagen sich die Moden besonders in der Malerei (während unsere großen Schriftsteller allerdings sparsam und zögernd produzieren).

Die Zeit ist uns abhanden gekommen. Einer jener wunderbaren marxistischen Vordenker hat behauptet, das habe begonnen, als die ersten Uhren an den christlichen Kirchtürmen befestigt wurden. Jetzt tragen wird diese Chronometer am Handgelenk - ein nervöses Zucken mit dem linken Unterarm nach oben, und wir wissen, wie spät es ist (Großvater angelte noch umständlich in der Westentasche nach der Uhr).

So rasen wir pausenlos durch unsere Tage. Und hinterher machen wir die Hand auf und sehen, dass doch recht wenig Er-Lebnis in ihr zu finden ist, nur ein wenig Glück, aber viel Hetzen und Jagen.

Ob das der Sinn des Lebens ist?



Aus "Vom Urknall zum Zerfall" von Harald Fritzsch

... Blaise Pascal: "Ich weiß nicht, wer mich in diese Welt gesetzt hat, noch was die Welt ist, noch was ich selbst bin ... Ich sehe diese grauenvollen Räume des Alls, die mich einschließen, und bin an einen Winkel dieses weiten Weltenraumes gefesselt, ohne zu wissen, weshalb ich an diesen Ort gesetzt worden bin und nicht an einen anderen; warum die kurze Zeit, die mir zum Leben gegeben ist, gerade in diesem Moment und nicht in einem anderen der ganzen Ewigkeit, die mir vorausgegangen ist und mir folgt, gemessen wurde. Ich sehe ringsum nur Unendlichkeiten, die mich einschließen wie ein Atom und wie ein Schatten, der nur einen Augenblick dauert ohne Wiederkehr. Alles was ich kenne, ist, dass ich bald sterben muss, aber was ich am wenigsten kenne, ist gerade dieser Tod, den ich nicht zu vermeiden weiß."
...
Der Mensch muss sich begreifen als ein Bestandteil des Ganzen. Er ist weder Herrscher noch Sklave seiner Umwelt, sondern eingebettet in das unerschöpfliche Kontinuum aller Möglichkeiten und Beziehungen, die die 8. Epoche des Universums für ihn bereithält. Er ist das Produkt dieser Epoche und trägt die Spuren der abwechslungsreichen Geschichte seit dem Urknall in sich. Und zugleich ist er Gestalter von Geschichte, indem er handelt. Jede seiner Handlungen ist einmalig im Kosmos, wie auch jede Sekunde einmalig ist. Hierin besteht der Sinn: im Dasein, im Erleben einer Ganzheit, die über den einzelnen hinausführt, im Selbstbewusstsein des handelnden Individuums, das seine Grenzen kennt und hieraus jenes Grundvertrauen schöpft, ohne das es keine Bejahung des Lebens gibt.



Der Sandhaufen - von Paul Bourfeind
(Mindener Tageblatt vom 27.02.1988 - www.mt.de)

Mengtse kam mit seinen Schülern an einem Platz vorbei, wo Kinder spielten. Knaben hatten aus Sand einen Hügel aufgetürmt, hoch wie ein Mann. Oben auf dem Sandhaufen stand ein Knabe, die anderen bestürmten den Hügel und suchten den droben von seiner Höhe hinabzudrängeln. Immer waren es viele gegen einen, die mit Geschrei den Sandhaufen stürmten. Einer stand immer oben und wehrte sich gegen die anderen, kürzere oder längere Zeit, bis ihn die anderen herunter gezerrt und überwältigt hatten. Dann stand wieder ein anderer oben, und das Spiel begann von neuem.

Nur ein Knabe stürmte nicht mit den anderen den Sandhaufen hinauf. Er blieb ein wenig abseits, hüpfte im Kreis um den Sandhaufen herum, klatschte in die Hände, wenn wieder einmal einer von den anderen überwältigt von der Höhe herabkollerte, lachte und freute sich.

Mengtse war stehen geblieben und fragte seine Schüler: "Was treiben die Knaben da?"

"Wie, das weißt du nicht?", rief Yuan-Yuan erstaunt. "Natürlich, es ist lange her, dass du ein Knabe warst. Sie spielen Überwältigen."

"Und wer ist der Sieger?", fragte Mengtse.

"Wer auf der Spitze des Sandhaufens steht", erwiderte Yuan-Yuan. - "Aber", erwiderte Mengtse, "es ist doch immer wieder ein anderer." Da schwieg Yuan-Yuan, und auch keiner der anderen Schüler wusste etwas zu sagen.

"Mir scheint", fuhr Mengtse nach einer Weile fort, "nicht derjenige, der sich für kurze Zeit auf der Höhe des Sandhaufens hält und sich wehren muss, bis ihn die anderen herabgezerrt haben, ist der Sieger, sondern derjenige, der unten steht und sich über die Anstrengungen der anderen belustigt, denn wer unten steht, kann nicht überwältigt werden." - Die Schüler blickten den Meister erstaunt an, und sie verstanden ihn nicht. "Ist es nicht immer so", fragte Mengtse, "im Leben und im Staate? Wer nicht stürzen will, darf nicht zur Höhe emporsteigen."

Die Schüler drängten weiter, aber Mengtse hielt sie zurück. "Wartet noch eine Weile", sagte er, "bald werden die Knaben den Sandhaufen völlig niedergetreten haben. und was dann?" - "Dann ist das Spiel aus", rief Yuan-Yuan.

"Nein", sagte Mengtse, "sie werden den niedergetretenen Sand zu einem neuen Hügel auftürmen und dasselbe Spiel wieder beginnen. So geht es im Leben wie im Staate."

"Was sollen wir denn tun?" fragte Yuan-Yuan, der den Sinn der Worte des Meisters erkannt hatte. - "Mitspielen oder zuschauen", erwiderte Mengtse, "wozu dich das Herz drängt und je nachdem, was du für das kleinere Übel hältst. Aber bedenke: Wer unten steht, kann nicht überwältigt werden."



Der Mondhase - von Cosmus Flam
(Mindener Tageblatt vom 09.05.1987 - www.mt.de)

Ein armer chinesischer Reisbauer im Tale des Jangtsekiang, der den ein wenig traurigen Namen Essigkrug führte und trotz seines Fleißes zu nichts rechtem kommen konnte, ging eines Abends in die Schenke des nahen Dorfes, um dort seinen Kummer in Reisbranntwein zu ersäufen. Als er gegen Mitternacht, leise schwankend wie eine Dschunke, die im Seitenwind liegt, nach Hause kam, sah er zu seinem Erstaunen auf dem freien Platz vor seiner Hütte einen weißen Hasen sitzen.

Jedes Kind weiß, dass es nur einen weißen Hasen im Reich der Mitte gibt, den Mondhasen nämlich, der für gewöhnlich im Monde sitzt, manchmal aber zur Erde herabspringt und Menschen begegnet.

Es gibt viele Geschichten vom Mondhasen.

Noch zweifelte Essigkrug, ob er richtig sähe oder nicht etwa der Geist des Weines ihm den Verstand verwirrte. Als er aber den Lattenzaun zu fest umklammerte, gab es ein quietschendes Geräusch in dem Gestänge, dass er selber erschrak. Da wandte sich der weiße Hase ihm zu, sah ihn mit seinen großen jadefarbenen Augen an und begann zu sprechen. Man muss nämlich wissen, der Mondhase kann sprechen wie ein Mensch.

"Armer Essigkrug", sagte er, "ich bin gekommen, dir zu helfen. Schon lange habe ich mit Gram gesehen, wie du dich abmühst und kommst doch zu nichts, indes die faulen Fischer unten am Strome dick und reich werden. Es ist heute eine Wundernacht. Schnell, mach dich bereit, und komm mit mir! Ich will dich auf den Wunschberg bringen, dort kannst du dir aussuchen, was immer du willst."

Das ließ sich Essigkrug nicht zweimal sagen. Er schlich in die Hütte, wo Weib und Kinder schliefen, holte sich sein Feiertagskleid, erraffte schnell ein paar derbe Wanderschuhe und einen Bambusstock und trat wieder in den Hof.

"Wo denkst du hin", lachte der Hase. "Wir wandern nicht, sonst müssten wir viele Jahrhunderte gehen. Du setzt dich auf meinen Rücken, und im Nu sind wir dort."

Essigkrug tat, wie ihm geheißen wurde, setzte sich auf den Mondhasen, und los ging es. Mit dem ersten gewaltigen Satze sprang der weiße Mondhase über das unendlich breite Tal des Jangtsekiang, mit dem zweiten über die große Ebene und mit dem dritten auf den Gipfel des Wunschberges.

Das ging alles so schnell, dass dem Bauern Sehen und Hören verging und er nicht wusste, wie ihm wurde. Taumelnd stieg er von seinem seltsamen Reittier ab und fand sich vor dem prächtigen Tore einer großen Halle, über der geschrieben stand: Jeder Wunsch wird Wirklichkeit!

"Gut, gut", dachte Essigkrug und rieb sich die Hände, "das armselige Leben hat nun ein Ende." Und er trat eilends mit nackten Füßen in den Palast.

Ein alter weißhaariger Mann, ein Philosoph, der an der Türe stand, begrüßte ihn, nahm ihn bei der Hand und sagte: "Was immer du wünschest, wird sich erfüllen! Aber du musst erst wissen, was man sich alles wünschen kann. Folge mir!"

Und sie betraten nacheinander sieben Säle, von denen einer immer schöner als der andere war. Ihre Wände waren mit Jade und Jaspis geschmückt, der Fußboden bestand aus edlen Hölzern, und von der Decke hingen kostbare Seidenmalereien herab. In jedem Saale aber stand in der Mitte ein Tisch, der mit einem Tuch verhängt war.

"Hier", sprach der Philosoph im ersten Saal und nahm das Tuch fort, "siehst du das Schwert des Ruhmes. Wer sich das wünscht, wird ein gewaltiger Kriegsmann, und seinen Angriffen kann kein Feind widerstehen. Er eilt von Sieg zu Sieg, und sein Name wird noch in den fernsten Zeiten genannt. Willst du das?"

"Nicht schlecht", meinte Essigkrug, "Ruhm ist ein schönes Ding, und ich möchte die Gesichter der Fischer im Dorfe sehen, wenn ich General würde, auf einem Schimmel ritte und die Barbaren des Steppe an Knotenstricken gefesselt daherbrächte. Aber ich will mirs noch überlegen. Gehen wir weiter!"

"Gut, gehen wir weiter", sagte lächelnd der Weise. Im zweiten Saale nahm er das Tuch fort und zeigte dem Bauern eine Schriftrolle mit vielen geheimnisvollen Zeichen. "Das ist das Buch der Weisheit", sprach er. "Wer sich das wünscht, dem werden alle Geheimnisse des Himmels und der Erde offenbar. Er gebietet den Geistern und Dämonen, und sein Verstand versetzt ihn schon zu Lebzeiten unter die Götter."

Essigkrug stand kopfschüttelnd vor der Rolle und meinte: "Ich habe mir schon immer gewünscht, viel zu wissen. Das wäre vielleicht das Rechte. Aber ich will mirs überlegen. Gehen wir weiter!"

"Gut, gehen wir weiter", sagte der Alte und führte ihn in den dritten Saal. Dort ruhte unter dem Tuche ein Kästchen aus purem Golde. "Das ist die Truhe des Reichtums", erläuterte der Philosoph. "Wer sich die wünscht, dem fliegt das Gold zu, ob er arbeitet oder nicht."

"Ha", lachte Essigkrug, "das wird das Richtige sein. Wer reich ist, ist der glücklichste Mensch auf der Welt. Meinst du nicht auch?"

"Das Glück liegt nicht in dieser Truhe", sagte darauf der Alte und ging in den vierten Saal voran. "Hier liegt es", sprach er und zog das Tuch von einer kleinen einfachen Tonschüssel, in der ein wenig Reis lag. "Das ist die Schüssel des Glücks. Wer sich die wünscht, der muss zwar Tag für Tag arbeiten, aber er braucht nicht zu hungern, hat für sich und die Seinen genug, sein Weib liebt ihn, seine Kinder machen ihm Ehre, und seine Nachbarn sprechen gut von ihm. Er ist genügsam, zufrieden und glücklich."

Zweifelnd stand Essigkrug vor dem Schüsselchen, kratzte sich hinter dem rechte Ohr und meinte: "Was soll man da tun? Glück oder Reichtum? Ich will mirs überlegen. Gehen wir weiter."

Im fünften Saale zeigte ihm der Philosoph die Flöte der Lust. Wer die bläst, den lachen die Dinge an. Der Wein und der Tee wollen von ihm getrunken sein, alle Berge und Täler von ihm umarmt und alle Frauen von ihm geküsst. Ein geheimnisvoller Zauber umgibt ihn, und wo er vorübergeht, verneigen sich sogar die Bäume. Er ist ein Liebling der Menschen und ein Schützling der Götter."

Essigkrug hätte auch diese Flöte gern gehabt, aber er wusste nicht recht und drängte zum Weitergehen.

Im sechsten Saale entfaltete der Alte vor ihm das Kleid des langen Lebens. "Wer sich das wünscht, der ist von Kindesbeinen gesund und stark. Weder die Mühe des Ackerns noch der Kriegsdienst können ihm den Rücken krümmen. Er kennt den Arzt nur von ferne, und Medizin kommt nie über seine Schwelle. Er überlebt alle seine Freunde und erreicht ein hohes Alter. Enkel und Urenkel umspielen seine Füße, und ein sanfter Tod nimmt ihn von hinnen."

Essigkrug befühlte das Kleid und wurde immer mehr unschlüssig. So viele Gaben, und nur eine davon zu wählen, wie schwer das war!

Im letzten Saale endlich lag der Hut der Unsterblichkeit. "Den wünschen sich die Dichter und die Maler, die mit ihren Schöpfungen die Herzen der Menschen erfreuen. Bei Lebzeiten haben sie oft nicht genug zu essen, und ihre Kleider sind selten aus Seide. Aber die guten Götter geben ihnen die Unsterblichkeit und setzen ihnen nach ihrem Tode den edelsteinbesetzten Hut der Legende auf, dass sie in ihrem Volke genannt werden, lange nachdem die Namen der Kaiser und Generäle verloren sind."

Aus dem letzten Saale traten die beiden wieder ins Freie.

"Nun wähle", sagte lächelnd der Philosoph, "ob du das Schwert oder das Buch, die Truhe oder die Schüssel, die Flöte, das Kleid oder den Hut willst. Was immer du wünschest, es wird erfüllt werden!"

"Du musst mir Zeit lassen", bat Essigkrug, "ich muss mir die Sache überlegen."

In diesem Augenblicke ging die Tür des Palastes hinter ihm zu, und der Alte war verschwunden. Aber der Mondhase saß wieder auf dem mondbeschienenen Vorplatze und sagte zu dem Bauern: "Armer Essigkrug, wie du sind die meisten Menschen. Sie wissen nicht, was sie sich wünschen sollen, sie wünschen sich alles und bekommen nichts. Was sich einer wünscht, das schenken ihm die Götter, aber der Mensch muss wissen, was er sich wünscht."

Er nahm den traurigen Bauern wieder auf den Rücken, sprang in einem Satz auf die Ebene hinunter, mit dem zweiten Satze bis an das Ufer des Stromes und mit dem dritten Satze vor die armselige Hütte am Rande des Dorfes.

Hier lud er seinen Reiter ab, der sich voll Gram ob des verlorenen Glückes am Lattenzaun festhielt, dass er in allen Fugen knarrte und quietschte.

Und wie Essigkrug so stand und sann, wusste er nicht, ob das alles Wirklichkeit gewesen war oder nur Traum.



Aus "So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen" von Hoimar v. Ditfurth

"Parasiten" nennt man Lebewesen, die ihr Dasein auf Kosten anderer Arten fristen. Wenn wir diese Definition zugrunde legen, haben wir uns selbst als die rücksichtslosesten und erfolgreichsten Repräsentanten dieser speziellen Anpassungsform zu betrachten. Als globale Parasiten sind wir dank der unserer Art in den letzten Jahrzehntausenden zugewachsenen Intelligenz zu so übermächtigen Konkurrenten geworden, daß wir begonnen haben, die Erde mit aller übrigen lebenden Kreatur monopolistisch unserem eigenen Nutzen zu unterwerfen.



Die Fahrt im Wagen - von Paul Bourfeind
(Mindener Tageblatt vom 16.02.1991 - www.mt.de)

Mengtse saß an der Straße, die den Yangtse begleitet. Er war allein und müde nach einem weiten Weg. Da kam ein glänzender Wagen auf der Straße von vier prächtigen Pferden gezogen. In dem Wagen saß Wei San, ein reicher Kaufmann, der sich den Fluss entlang fahren ließ, um nach einem heißen Tag die Kühlung des Wassers zu genießen. Als er Mengtse am Straßenrand sitzen sah, ließ er anhalten und rief: "Vater der Weisheit, mein Wagen sei dein Wagen, setze dich zu mir, wenn deine Weisheit die Nähe eines müden Geldraffers erträgt."

"Wie sollte ich nicht", entgegnete Mengtse, "wir sind beide müde. Das genügt, dass wir beide dasselbe tun - uns setzen." Damit bestieg er den Wagen und sank in die seidenen Kissen an der Seite Wei Sans.

Sie fuhren weiter den Fluss entlang und schwiegen. Nur der Takt der Pferdehufe war laut und das Knarren der Räder, hinter denen der Staub aufstand. Als sie eine Weile gefahren waren, den kühlenden Atem des Flusses auf den entspannten Gesichtern genießend, kamen sie an einen hohen Stein, der mitten in einer Wiese zu Seite der Landstraße stand. Wei San gab dem Kutscher ein Zeichen und ließ halten.

"Ist es nicht sonderbar", sagte er zu Mengtse, "dass es mich immer wieder hierhin zieht?" Und ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort: "Hier habe ich als Knabe die Schafe geweidet. Wenn ich auf der Straße von diesem Stein aus die glänzenden Wagen zur Stadt fahren sah, habe ich mir immer gewünscht, auch einmal in einem solchen Wagen fahren zu können."

Als Wei San schwieg sprach Mengtse: "Die Göttin der Barmherzigkeit hat Einsehen mit deiner Armut gehabt und deinen Wunsch erfüllt."

"Fürwahr, ich schulde ihr Dank für die Erfüllung meiner Wünsche."

"Wünsche?" fragte Mengtse. "Du hattest doch nur den einen Wunsch, einmal in so einem Wagen fahren zu können."

"Allerdings", sagte Wei San unsicher.

"Es ist dir also mehr gegeben worden als du gewünscht hast."

"Stimmt", erwiderte Wei San und dachte darüber nach, was Mengtse im Sinn habe.

"Es war also doch so, als wenn du jemanden um einen Knopf bittest, und er schenkt dir den Knopf mitsamt dem zugehörigen Gewand. Hast du einmal daran gedacht, Wei San?"

"Allerdings nicht, doch da du so tiefgründig bist und Umwege liebst, die wir anderen nicht übersehen, wie kommt es, dass ich jetzt, wo meine Wünsche in Erfüllung gegangen sind, mich danach sehne, noch einmal auf dem Steine zu sitzen und die Schafe hüten zu können?" Erwartungsvoll schaute Wei San in das unbewegte Antlitz des Weisen.

"Eben daher", erwiderte Mengtse einsilbig.

"Was heißt eben daher?" fragte Wei San, denn er verstand Mengtse nicht.

"Du hattest eine Sehnsucht", sprach Mengtse und war wie einer, der ein Kind an die Hand nimmt, um ihm den Weg zu zeigen. "Diese Sehnsucht kleidest du in einen Wunsch. Die Mutter der Barmherzigkeit erfüllte dir den Wunsch und fügte alles hinzu, was die Erfüllung dieses einen Wunsches erst möglich machte - dein Haus, deine Schiffe, dein Geld. Darum hattest du nicht gebeten, aber es war notwendig, um den einen Wunsch zu erfüllen. Nun drückt dich die Beigabe, weil du sie bezahlen musstest - erkaufen um den Frieden deiner Jugend."

"Und deshalb meinst du", fragte Wei San nachdenklich, "die Sehnsucht nach dem Zurück --? Und was kann man dagegen tun?"

"Du könntest deinen Reichtum abtun und wieder die Schafe hüten."

Wei San schwieg eine Weile und wich dem Blick Mengtse aus, um dessen vielfach gefältete Augenwinkel der Anflug eines Lächelns spielte.

"Nein", sagte Wei San schließlich, "ich müsste fürchten, wieder zu wünschen, fahren zu können."



DESIDERATA
Max Ehrmann

Geh deinen Weg gelassen
im Lärm und in der Hektik dieser Zeit,
und behalte im Sinn den Frieden,
der in der Stille wohnt.

Bemühe dich,
mit allen Menschen auszukommen,
soweit es dir möglich ist,
ohne dich selbst aufzugeben.

Sprich das,
was du als wahr erkannt hast,
gelassen und klar aus,
und höre anderen Menschen zu,
auch den Langweiligen und Unwissenden,
denn auch sie haben etwas zu sagen.

Meide aufdringliche
und aggressive Menschen,
denn sie sind ein Ärgernis
für den Geist.

Vergleiche dich nicht mit anderen,
damit du nicht eitel oder bitter wirst,
denn es wird immer Menschen geben,
die größer sind als du,
und Menschen, die geringer sind.

Erfreue dich an dem,
was du schon erreicht hast,
wie auch an deinen Plänen.

Bleibe an deinem
beruflichen Fortkommen interessiert,
wie bescheiden es auch sein mag;
es ist ein echter Besitz
in den Wechselfällen
der Zeit.

Sei vorsichtig in deinen
geschäftlichen Angelegenheiten,
denn die Welt ist voller Trug.
Lass dich jedoch dadurch
nicht blind machen
für die Tugend, die dir begegnet.

Viele Menschen haben hohe Ideale,
und wo du auch hinsiehst,
ereignet sich im Leben Heldenhaftes.

Sei du selbst,
und, was ganz wichtig ist,
täusche keine Zuneigung vor.

Hüte dich davor,
der Liebe zynisch zu begegnen,
denn trotz aller Dürreperioden
und Enttäuschungen
ist sie beständig wie das Gras.

Nimm den Rat,
den dir die Lebensjahre geben,
freundlich an,
und lass mit Würde ab von dem,
was zur Jugendzeit gehört.

Stärke die Kraft deines Geistes,
so dass sie dich schützt,
wenn ein Schicksalsschlag dich trifft.
Doch halte deine Phantasie im Zaum
damit sie dich nicht in Sorge versetzt.

Viele Ängste
wurzeln in Erschöpfung
und Einsamkeit.

Übe gesunde Selbstdisziplin,
doch vor allem sei gut zu dir.

Du bist ein Kind
des Universums,
nicht weniger als die Bäume
und die Sterne:
Du hast ein Recht,
da zu sein.

Und ob es dir nun bewusst ist
oder nicht:
Ganz sicher entfaltet sich
das Universum so,
wie es ihm bestimmt ist.
Lebe daher in Frieden mit Gott
wie auch immer du ihn
dir vorstellst.

Und worauf du
deine Anstrengungen auch richtest,
was es auch ist, das du erstrebst,
im lärmenden Durcheinander des Lebens
sei mit dir selbst im reinen.

Trotz allen Trugs,
aller Mühsal
und aller zerbrochenen Träume ist
die Welt doch wunderschön.

Sei heiter.

Strebe danach,
glücklich zu sein.



Der Freund - von Paul J. Arnold
(Mindener Tageblatt vom 28.03.1987 - www.mt.de)

Von Hind und Sindh reiste eine Karawane nach den Märkten Bagdads und Kairos und lagerte auf ihrem Wege eine Nacht vor den Toren Basras und lud am Morgen ihre Schätze auf, um weiterzuziehen.

Aus der Stadt aber war ein Kaufmann, Abid ben Muhamed, hinausgegangen und hatte die Hälfte seiner Reichtümer den Freunden für einen ledernen Beutel voll edler Steine gegeben. Er schickte seinen Sohn zu seinem freunde Khalid, dem Juwelier, und ließ ihn bitten: "Komm und hilf mr wägen und schätzen!" Sie saßen zusammen und prüften und fanden keinen Fehl an den Steinen und ließen zwischen ihren Fingern den Glanz der funkelnden Köstlichkeiten spielen, in denen alle Wunder der Welt gefangen schienen: das Blau des Himmels, die flutenden Farben des Meeres, das spritzende Sonnengleiß eines Wassersturzes, die schwere Goldglut des Weines, prunkendes Vogelgefieder, der Augenschimmer eines liebeseligen Weibes, die springenden Blutstropfen eines jungen Helden. Abids Sohn saß bei ihnen und hielt nach der Lehre des Vaters die Augen offen und die Lippen geschlossen.

Als Abid hinausging, seinen Laden zu verschließen - denn er wollte heute nicht mehr verkaufen -, sprang die Gier in Khalids Seele auf und stellte sich vor seinen Verstand und sein Herz. Er schob die Steine wie mit einer müßigen Gebärde durcheinander und glaubte die Blicke des Knaben zu täuschen, als er einen davon in den Ärmel seines Gewandes gleiten ließ. Doch war das Diebesspiel dem Sohn des Kaufmanns nicht verborgen geblieben. Aber er sagte nichts, auch nicht nach der Rückkehr des Vaters. Erst als Khalid Abschied genommen hatte mit den Worten: "Du hast mit diesem Kauf dein Vermögen verdoppelt, o Abid!", sprang er auf und sprach: "Einen Freund hattest du gerufen, Vater, ein Dieb ist gegangen." Und er erzählte, was er gesehen hatte und drängte seinen Vater, zum Kadi zu eilen, ehe der falsche Freund den Raub verbergen könnte.

Abid aber bleib sitzen und sah vor sich zu Boden. Und da die Ungeduld des Sohnes zum Aufbruch trieb, sprach er: "Was denkst du: Wird Khalid zugeben, ein Dieb zu sein?"

"Gewiss nicht", antwortete der Knabe rasch.

"Du hast recht", bestätigte der Alte, "und dann hast du aus einem Dieb noch einen Lügner gemacht."

"Aber man wird den Stein bei ihm suchen", beharrte der Sohn.

Der Vater jedoch wies ihn ab. "Glaubst du nicht, dass man einen Stein, so groß wie der Nagel eines Fingers, in der Zeit eines Augenzuckens so verstecken kann, dass kein Kadi der Welt ihn findet? - Und wenn man ihn fände, was würde mit Khalid geschehen?"

"Sein Gut würde ihm genommen und ihm die linke Hand abgehauen."

"Und", fuhr der Kaufmann fort, "er müsste weiterstehlen, um sein Leben zu fristen, nur weil er einmal der Versuchung erlag."

Da setzte sich der Sohn neben seinen Vater nieder und sagte nach einer Weile: "So geh und sprich mit ihm, dann gibt er dir den Stein zurück."

Der Alte aber fragte: "Wie hoch war der Wert des Steins?"

"Tausend Dinare."

"Und was gilt dir mehr: Tausend Dinare oder die Freundschaft eines Mannes? - Gewiss, er würde den Stein zurückgeben, aber mit Wangen, die rot vor Scham sind. Und die Scham, die wir aus dem Herzen rufen, schließt uns seine Tore für immer. Wenn er nicht mein Freund wäre, könnte ich wohl deine Wege gehen."

Der Knabe entgegnete: "Aber ist er noch dein Freund, wenn er an dir zum Diebe wird?"

"Er war es durch die doppelte Länge deines Lebens", antwortete ihm der Vater. "Vielleicht ist er in Not gekommen, ohne dass wir es wissen; oder seine Wünsche haben ihm das Herz krank gemacht. Hat er je einen Freund so nötig gehabt wie in dieser Stunde? Sollte ich mich da von ihm wenden? Oder wer könnte der Arzt seines Herzens sein, wenn nicht sein Freund? Wäre ich das, wenn ich nicht alles versuchte und gäbe, ihn zu heilen?" Und er schied die Steine, die noch vor ihm lagen, zu zwei gleichen Teilen, nahm den einen Teil, tat ihn in den Beutel und gab ihn seinem Sohne und sprach: "Gehe zu Khalid und bringe ihm den Beutel und sage ihm: 'Mein Vater bittet dich, dieses Geschenk als das eines Freundes anzunehmen, und es nicht dadurch wertlos zu machen, dass du ihm dankest.'"



Ernst Ulrich von Weizsäcker
aus: Visionen 2000

...

Die Gegenwart ist von einem säkularen Bruch bestimmt, dessen Ausmaß uns noch gar nicht voll im Bewusstsein ist. Ich meine den Bruch von 1990, den Sieg der Marktwirtschaft und die alsbald mit nicht dagewesener Kraft einsetzende Globalisierung.

Viele wissen gar nicht mehr, dass das Wort Globalisierung vor 1990 - zumindest in seiner heutigen Bedeutung - noch gar nicht existierte. Der Grund ist einfach: Vor 1990 stand das internationale Kapital noch unter dem Zwang, sich mit den demokratischen Mehrheiten in den Nationalstaaten auf Kompromisse zwischen den Armen und den Reichen zu einigen. Denn solange es den Sozialismus zumindest als hypothetische Alternative gab, war die Gefahr eines Abdriftens der Nationalstaaten gegeben. Nun aber, seit 1990, hat der Systemwettbewerb den Sozialismus aussortiert - übrigens zu Recht; er war zweifellos das schlechtere System.

Jetzt haben wir bezüglich der Systeme eine Monopolsituation. In dieser hat sich der Sieger sehr rasch weit von seinen früheren Kompromisstugenden entfernt. Der Sieger benimmt sich auf einmal, wie es Monopolisten laut Lehrbuch tun. Er langt zu. Er sahnt ab. Er lehnt Kompromisse ab. Zwar gibt es auf der niederen Systemebene einen Wettbewerb, schärfer als je zuvor, aber auf dieser Ebene gilt nur noch eine Spielregel: die Maximierung der Kapitalrendite.

Die Kapitalrendite ist bei einer Aktivität praktisch immer am höchsten: beim schlichten Raubbau. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Raubbau seit 1990 weltweit kräftig an Tempo zugelegt hat.

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Soviel zu Gegenwartsanalyse. Jede Trendfortschreibung im Sinne der weiteren Durchsetzung der globalen, deregulierten Marktwirtschaft führt zu einer haltlosen Verschlechterung der Umweltsituation bis zu einem Punkt, wo die weltweiten Knappheiten zu plötzlichen, spekulativ verstärkten Preisexplosionen mit der Folge massenhaft verbreiteter Verelendung und entsprechenden politischen Explosionen führen können. Das wäre der ökologisch-zivilisatorische GAU, der größte anzunehmende Unfall.

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Hans Peter Duerr
aus: Visionen 2000

Wenn im 19. Jahrhundert Anarchisten wie Fürst Kropotkin der damaligen Gesellschaft das Zeugnis ausstellten, in ihr herrsche Wettbewerb statt gegenseitige Hilfe, wenn Friedrich Engels schon im Jahr 1845 "die brutale Gleichgültigkeit, die gefühllose Isolierung jedes Einzelnen auf seine Privatinteressen" brandmarkte, wenn schließlich der Soziologe Tönnies im Händler, dessen Gewinn der Schaden seines Konkurrenten ist, den Prototypen des "Gesellschafts"-Menschen sah, der dem anderen in "potenzieller Feindseligkeit" statt in gemeinschaftlicher Solidarität gegenübersteht, dann formulierten diese Männer Beobachtungen, die heute an Aktualität nichts verloren haben.

In der Tat waren die archaischen "Gemeinschaften" langsam gewachsene Netzwerke fürsorglicher Beziehungen, in denen die Individuen miteinander verwoben waren, Quasifamilien wie etwa im mittelalterlichen Nordfriesland, wo die einzelnen Familien, nachdem sie sich genossenschaftlich miteinander verbunden hatten, um Siedlungen zu gründen und Deiche sowie Kirchen zu bauen, "Geschlechter" genannt wurden. In solchen Gemeinschaften war es verbindlich, galt es als Pflicht, dem anderen beizustehen, ihn nicht zu übervorteilen, ihm gegenüber keinen Gewinn zu erzielen.

Auch in modernen Gesellschaften finden sich Menschen bisweilen zu Gemeinschaften zusammen, doch, wie z.B. das Schwärmen von der Gegenseitigkeit während des Zweiten Weltkriegs deutlich macht, sind derartige Erfahrungen transitorisch und beschränken sich meist auf Katastrophen und andere Notsituationen.

Ich bin davon überzeugt, dass sich im kommenden Jahrhundert die menschlichen Primärgruppen weiter zersetzen und dass sich das für Gemeinschaften typische Solidarverhalten nach und nach fast völlig auflösen wird. So gesehen wird die "progressive Individualisierung" in subjektiver und in objektiver Hinsicht entgegen den frommen Prognosen fortschrittsgläubiger Gelehrter wie Norbert Elias ein "Reich der Freiheit" schaffen, welches man allerdings treffender als eines der Barbarei bezeichnen könnte, weil die negativen Folgen der sozialen Entflechtung die positiven überschatten werden.

Nach Umfragen stehen schon heute in der Wertehierarchie "individuelle Freiheit" und "Unabhängigkeit" ganz oben, und lediglich ein Drittel aller Jugendlichen beabsichtigt noch, im Leben die Interessen anderer Menschen mit zu berücksichtigen. Nicht nur "Glück", sondern "privates Glück" wird eingefordert, und dieses besteht nicht nur vorwiegend darin, dass man wie ein Kleinkind unmittelbare Bedürfnisbefriedigung will, vielmehr hat sich der "hemmungslose Genuss" frei Haus einzustellen, nicht als Frucht von Anstrengung, Opferbereitschaft und Demut, sondern "subito" und ohne Umschweife.

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War einst die Welt, die die Menschen umgab, über- und durchschaubar und konnten die Menschen sich nicht nur mit ihrer sozialen und materiellen Umgebung, sondern auch mit der Zukunft identifizieren, da diese sich nicht allzu sehr von der Gegenwart unterschied, so wird unseren Nachkommen all dies noch fremder erscheinen als uns, und diese Fremdheit wird ihre Verhaltenssicherheit weiter schwächen. Angst vor der Zukunft ("no future"), Erwartung der wie auch immer gearteten Apokalypse, Misstrauen gegenüber anderen Menschen, geringe Hilfsbereitschaft, Unhöflichkeit und Indifferenz gegenüber Fremden, Nachlässigkeit oder sinnloser Vandalismus gegen öffentliche Einrichtungen, all das, was heute schon im Kern zu beobachten ist, folgt aus der mangelnden Identifikation mit Menschen und Dingen, zu denen man nurmehr flüchtige "Kontakte" hat, und die deshalb austauschbar und wertlos werden.

Dieses "Anything goes" (eine Formel des Philosophen Paul Feyerabend, die er einem berühmten Schlager der Zwanzigerjahre entnommen hat) ist die Maxime einer Weltanschauung, nach der es über das reine Sein hinaus keine Verbindlichkeiten mehr gibt ("Be good, be bad, just be"), nach der alles beliebig ist und nicht einmal mehr die Wirklichkeit Widerstand leistet, weil sie sich längst in Myriaden von "sozialen Konstrukten" (so ein Lieblingsausdruck "postmoderner" Philosophie) verflüchtigt hat. Und diese Weltanschauung entspricht wiederum einem auf sich selbst zurückgeworfenen Persönlichkeitstypus, der seine Freiheit von allem Zwang und jeder Pflicht mit Unzufriedenheit, Langeweile, Einsamkeit und Angst bezahlt.

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Aus "Wir amüsieren uns zu Tode" von Neil Postman

In banger Erwartung sahen wir dem Jahr 1984 entgegen. Als es kam und die Prophezeiung nicht eintrat, stimmten nachdenkliche Amerikaner verhaltene Loblieder an - auf sich selbst. Die Wurzeln der freiheitlichen Demokratie hatten gehalten. Mochte anderswo der Terror ausgebrochen sein - uns zumindest hatten Orwells Alpträume nicht heimgesucht.

Aber wir hatten vergessen, dass es neben Orwells düsterer Vision eine zweite gegeben hatte - ein wenig älter, nicht ganz so bekannt, ebenso beklemmend: Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Entgegen einer unter Gebildeten weit verbreiteten Ansicht haben Huxley und Orwell keineswegs dasselbe prophezeit. Orwell warnt vor der Unterdrückung durch eine äußere Macht. In Huxleys Vision dagegen bedarf es keines Großen Bruders, um den Menschen ihre Autonomie, ihre Einsichten und ihre Geschichte zu rauben. Er rechnete mit der Möglichkeit, dass die Menschen anfangen, ihre Unterdrückung zu lieben und die Technologien anzubeten, die ihre Denkfähigkeit zunichte machen.

Orwell fürchtete diejenigen, die Bücher verbieten. Huxley befürchtete, dass es eines Tages keinen Grund mehr geben könnte, Bücher zu verbieten, weil keiner mehr da ist, der Bücher lesen will. Orwell fürchtete jene, die uns Informationen vorenthalten. Huxley fürchtete jene, die uns mit Informationen so sehr überhäufen, dass wir uns vor ihnen nur in Passivität und Selbstbespiegelung retten können. Orwell befürchtete, dass die Wahrheit vor uns verheimlicht werden könnte. Huxley befürchtete, dass die Wahrheit in einem Meer von Belanglosigkeiten untergehen könnte. Orwell fürchtete die Entstehung einer Trivialkultur, in deren Mittelpunkt Fühlfilme, Rutschiputschi, Zentrifugalbrummball und dergleichen stehen. Wie Huxley in Dreißig Jahre danach oder Wiedersehen mit der »Schönen neuen Welt« (Brave New World Revisited) schreibt, haben die Verfechter der bürgerlichen Freiheiten und die Rationalisten, die stets auf dem Posten sind, wenn es gilt, sich der Tyrannei zu widersetzen, "nicht berücksichtigt, dass das Verlangen des Menschen nach Zerstreuungen fast grenzenlos ist". In 1984, so fügt Huxley hinzu, werden die Menschen kontrolliert, indem man ihnen Schmerz zufügt. In Schöne neue Welt werden sie dadurch kontrolliert, dass man ihnen Vergnügen zufügt. Kurz, Orwell befürchtete, das, was uns verhasst sei, werde uns zugrunde richten. Huxley befürchtete, das, was wir lieben, werde uns zugrunde richten.



(aus dem Sanskrit)

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben - das Leben allen Lebens.
In seinem kurzem Ablauf
liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Grösse der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft.

Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.
Das Heute jedoch - recht gelebt -
macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück
und jedes Morgen zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag.



Aus "Balsam für die Seele" von Norbert Lechleitner

Der Meister wurde von einem Schüler gefragt, wie er es schaffe, immer so freundlich im Umgang mit anderen zu sein. "Wer hat es dich gelehrt, und was muss ich beachten, wenn ich dir nacheifern will?" fragte der Schüler.

"Nicht ein Lehrer hat mich unterrichtet, sondern viele Lehrer haben mir die Freundlichkeit beigebracht, und ich lerne immer noch. Denn meine Lehrer waren die Unhöflichen. Ich habe mir stets gemerkt, was mir am Benehmen anderer Menschen mir gegenüber missfallen hat - und dann habe ich mich bemüht, dieses Verhalten meinen Mitmenschen gegenüber zu vermeiden. So einfach ist das und doch so hilfreich."



Aus "Ein Lächeln für die Seele" von Norbert Lechleitner

Freunde und Schüler hatten den Meister eingeladen, in Ihrer Heimat, die der Meister noch nie besucht hatte, zu sprechen und Unterweisungen zu geben. Gerne nahm er die Einladung an. Nach der Begrüßung stand man noch eine Weile plaudernd zusammen.

"Es ist interessant, was in der Stadt über dich geredet wird", sagte einer der Freunde.

"So, so", sagte der Meister.

In der Meinung, dass es den Meister interessieren müsse, erklärte er beflissen:

"Die Hindus meinen, du seiest ein Guru, die Buddhisten meinen, du seiest ein hoher Abt, die Muslime meinen, du seiest ein großer Imam, die Juden halten dich für einen bekannten Rabbi und die Christen meinen, du seiest einer der ihren."

"Mag sein, dass man hier so über mich redet. Als ich in der Hauptstadt war, hielten die Juden mich für einen Christen, die Christen nannten mich einen Muslim, die Muslime meinten, ich sei Buddhist, und die Buddhisten glaubten, dass ich besser zu den Hindus passe."

"Und wer bist du nun wirklich?" fragten gespannt seine Gastgeber.

"Haltet mich für einen, den weder die verstehen, die ihn verehren, noch jene, die ihn verachten. Wer meint, er sei der, für den er gehalten wird, der weiß selbst nicht, wer er ist."



Aus "Ein Lächeln für die Seele" von Norbert Lechleitner

Ein Schüler fragte den Meister: "Ich sehe viele Menschen in deiner Nähe, die immer lächeln. Meistens mit den Augen, oft aber mit dem ganzen Gesicht. Das ist schön anzusehen, aber auch ein wenig langweilig. Haben die denn keine Gefühle, sind sie nie traurig oder missmutig?"

"Das Lächeln ist nur eine Form der Meditation", erklärte der Meister. "Eine Übung in Harmonie. Denn ein Lächeln ist der Ausdruck eines schönen Gedankens.

Wenn sich einmal keine schönen Gedanken in deinem Innern finden sollten, dann versuche ein Lächeln. Ein Lächeln schenkt dir ein schönes Gefühl. Und ein schönes Gefühl schenkt dir schöne Gedanken, und schöne Gedanken schenken ein Lächeln. Und ein Lächeln schenkt ein Lächeln."



George Bernard Shaw

Die meisten Menschen sehen die Verhältnisse, wie sie sind
und fragen lediglich:

Warum?

Aber ich versuche immer, die Verhältnisse zu sehen, wie sie sein könnten
und frage auch immer:

Warum eigentlich nicht?



Arthur Schnitzler

Die Welt ist nur dadurch weitergekommen,
dass irgend jemand die Courage gehabt hat,
an Dinge zu rühren, von denen die Leute,
in deren Interesse das lag, behauptet haben,
dass man nicht an sie rühren darf.



Gebet der Vereinten Nationen
Stephen Vincent Benét

Unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall.
Unsere Aufgabe ist es, daraus einen Planeten zu machen,
dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden,
nicht von Hunger und Furcht gequält,
nicht zerrissen in sinnloser Trennung nach Rasse,
Hautfarbe oder Weltanschauung.
Gib uns den Mut und die Voraussicht,
schon heute mit diesem Werk zu beginnen,
auf dass unsere Kinder und Kindeskinder
einst mit Stolz den Namen "Mensch" tragen.



Mengzi

Güte siegt über Ungüte
wie Wasser über Feuer siegt.
Aber heutzutage übt man die Güte so,
als wolle man mit einem Becher Wasser
einen brennenden Wagen voller Reisig löschen,
und, wenn die Flammen nicht erlöschen,
dann sagen, dass Wasser nicht Feuer löschen könnte.
Dadurch wird gerade die Ungüte
aufs Äußerste gefördert, und das Ende ist,
dass die Güte zugrunde geht.



Liezi

Wer sein Leben bewahren möchte
und sein Ende verhindern,
der irrt sich
in den Naturverhältnissen.
Was geistig ist,
ist Teil des Himmels,
was leiblich ist,
ist Teil der Erde.
Was dem Himmel angehört,
ist rein und flüchtig,
was der Erde angehört,
ist trübe und haftend.
Wenn der Geist die Form verlässt,
so kehrt beides zurück
zu seinem wahren Wesen.
Darum heißen die Toten
die Heimgegangenen.



Aus "Die verblödete Republik" von Thomas Wieczorek

Erklärtes Ziel und Voraussetzung demokratischer Gesellschaften ist der "Mündige Bürger". Dies wäre auch durchaus erreichbar angesichts der Möglichkeiten der Informationsgesellschaft. In Wahrheit allerdings werden einige wenige immer klüger, bedrückend viele aber anscheinend immer dümmer. Dahinter steckt System: Denn buchstäblich zur Existenzfrage wird die Verblödung in parlamentarischen Demokratien, da hier das Volk seine Vertreter frei wählt und damit die Regierung und die Gesellschaftsordnung formal frei bestimmt. Dieser Sachzwang gilt verstärkt angesichts der nationalen und globalen Verschärfung der sozialen Gegensätze: Die Arm-Reich-Schere öffnet sich immer mehr, und bloßer Kapitalbesitz bringt mehr ein als ehrliche Arbeit.
Man stelle sich nun einmal vor, die Normalbürger wüssten Bescheid über die Fakten und Hintergründe von Armut und Reichtum, Weltwirtschaftsordnung, Konzernpolitik in der Dritten Welt, wirtschaftlichen Verflechtungen und Korruption - ganz zu schweigen von den ökonomischen, politischen und philosophischen Theorien und ihren Folgen.
Wäre unter diesen Umständen eine mit beeinflussbaren Stümpern durchsetzte politische Klasse überhaupt vorstellbar?
Würden informierte und mündige Bürger nicht so manchen Politiker sofort als ungeeignet enttarnen und ihr eigenes Urteil über die Gesellschaft sprechen?
Könnten manche hanebüchenen Projekte überhaupt umgesetzt werden, wenn wirklich entscheidungsfähige Bürger darüber urteilten und - sei es auch nur per Wahlen - mitentschieden?
Deshalb ist Verblödung unausgesprochen oberstes Staatsziel, und dies betrifft beileibe nicht nur die intellektuell-kulturelle Kelleretage: Wer kennt zum Beispiel die Unterschiede zwischen Ordo- und Neoliberalismus, zwischen Keynesianismus, Monetarismus oder Marxismus?
Stattdessen wird plattester Marktradikalismus - allen bisherigen praktischen Erfahrungen zum Trotz - als Heilsbringerreligion etabliert: Der Markt wird zum neuen Gott, zur unbegreiflichen höheren Macht. Selbst der Neoliberalismus-Miterfinder Friedrich August von Hayek sagt unumwunden, sein System funktioniere nur, wenn die Menschen blind an die Marktgesetze glaubten und keine dummen Fragen stellten. Kann aber jemand ohne zumindest oberflächliche Kenntnis dieser Probleme die "richtige" Partei wählen, geschweige denn die Gesellschaft mitgestalten?
Damit diese Unwissenheit möglichst ewig fortbesteht, wird sie auf allen Ebenen bewusst angestrebt oder gefördert:

  1. So halten viele Bürger die Forderungen "Weniger Staat, mehr Privatisierung", "Lohnnebenkosten runter", "weniger Staatsschulden" blindgläubig für "alternativlose Sachzwänge". Kaum einem ist bewusst, dass es sich um spezielle eigennützige Ziele der Vermögenden handelt, die von der Werbeagentur Scholz&Friends im Auftrag der Arbeitgeberorganisation "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM) formuliert wurden und auf vielerlei Wegen in die "unabhängigen Medien" lanciert werden - nicht ohne Wirkung: Selbst sozial und sozialstaatlich eingestellte Bürger "vergessen" dass
  2. Unter dem Deckmantel der "Eigenverantwortung der Eltern" sieht man der zunehmenden geistigen und sozialen Verwahrlosung seit Jahrzehnten mit geheucheltem Entsetzen tatenlos zu. Frei nach dem Motto: "Es kann ja keiner ahnen, dass Alkoholiker vom Kindergeld Schnaps statt Spielzeug kaufen." Die Folge sind schulunfähige Sechsjährige. Im Schulsystem setzt sich dies fort: Frühzeitig wird über die Bildung und damit über die spätere Schichtzugehörigkeit entschieden, und auch dies weniger nach Leistung als nach sozialer Herkunft. Bezeichnend ist auch die - im Vergleich etwa zu Frankreich oder Skandinavien - beschämend geringe Verbreitung der Ganztagsschule. Pisa ist nur die zwangsläufige Folge: junge Menschen, die oft selbst für eine Lehre untauglich sind und deren Leben in Hartz-IV-Armut vorgezeichnet ist. Die Grenze verläuft hier lediglich dort, wo den Unternehmen die tauglichen Arbeitskräfte fehlen.
    Typisch auch die "Integration": Klassen mit 80 Prozent Immigrantenkindern fallen nicht vom Himmel, sondern werden anscheinend bewusst gebildet. Dass es auch anders ginge, zeigen die ebenfalls seit Jahrzehnten bekannten Beispiele anderer westlicher Staaten.
    Auch vor der Ausbildung von Führungskräften macht die Verblödung nicht halt. Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel bezeichnet heutige BWL-Absolventen als "Fuzzis und Systemzwerge". Der US-Ökonom Robert Kuttner sieht gar "eine Generation von graduierten Idioten heranwachsen, die über eine Reihe von Techniken verfügen, aber nichts von Ökonomie verstehen".
    Um die Idealvorstellung vom unpolitischen Fachidioten abzusichern, wird das frühere Vordiplom jetzt Bachelor genannt und so ein kritikloses Schmalspurstudium ermöglicht. Die Geisteswissenschaften werden pauschal als "brotlose Kunst" verspottet, und selbst hier setzen sich im Zuge der "Eigenverantwortung" zusehends "Wissenschaftler" durch, die "Drittmittel einwerben", also von der Industrie gesponsert sind.
  3. Auch in seriösen Medien, besonders in ARD und ZDF, wird das neoliberale Weltbild als "sachliche Information" verpackt: So werden die Abbauer des Sozialstaates als "Reformer" und die Kritiker als "Blockierer" bezeichnet. In Talkshows sowieso, aber auch in Nachrichtensendungen wie heute journal oder Tagesthemen werden INSM-Vertreter als "unabhängige Wissenschaftler" und "renommierte Experten" ausgegeben. Gleichzeitig wird durch Befragung einzelner Betroffener "Bürgerbeteiligung" vorgegaukelt.
    Sogar scheinbar unpolitische Unterhaltung auf Primatenniveau wie etwa die Superstar- oder Topmodel-Wettbewerbe verbreiten neoliberale Gedanken: Anfangs Tausende, später nur noch wenige Auserwählte kämpfen erbittert jeder gegen jeden - denn nur einer kann gewinnen. Die anderen werden von der Jury verhöhnt, beschimpft und rundum in der Menschenwürde verletzt.
    In Daily Soaps und Komödien wird das alte Märchen "Vom Tellerwäscher zum Millionär" aufgewärmt: Im Handumdrehen machen junge dynamische Aufsteiger Karriere als Firmenchefin, Börsengenie, Modeschöpferin oder Arzt. Den perspektivlosen Jugendlichen vor der Glotze wird vermittelt, dass "alles möglich ist" und sie Versager sind, wenn sie nicht einmal eine Lehrstelle ergattern können.
  4. Unbedingt notwendig für herrschende Minderheiten sind Feindbilder: Läuft eine Regierung Gefahr, von der eigenen Bevölkerungsmehrheit gestürzt zu werden, so lenkt es den Volkszorn auf den äußeren Feind. Aktuell sind das die "islamischen Terroristen".
    Gleichzeitig wird das "Teile-und-herrsche"-Prinzip angewandt, denn für die Reichen verheerend wäre ein, inzwischen selbst von seriösen Wissenschaftlern wie Peter Glotz und Franz Walter für möglich gehaltener, Aufstand der Bevölkerung. Gold wert sind daher Fronten wie Alte gegen Junge, Frauen gegen Männer, Raucher gegen Nichtraucher, "Karriereweiber" gegen "Hausfrauen", Jobinhaber gegen Arbeitslose, Dicke gegen Dünne und Lehrlinge gegen Studenten. Deutlich wurde der Verblödungscharakter im Wahlkampf 2006, als Alice Schwarzer "die Frau" Merkel unterstützte. Motto: Besser den Kündigungsschutz durch eine Frau verlieren als durch einen Mann behalten.
    Ein besonders wichtiges Feindbild sind in diesem Zusammenhang die Unterschichten: Gezielt werden exotische Einzelfälle bekennender Faulpelze und extrem Verwahrloster als "typisch" für die Arbeitslosen hingestellt.
  5. "Angst essen Seele auf" weiß man nicht erst seit Rainer Werner Fassbinders Kultfilm. Da sie auch den Verstand ausschaltet, ist Panikmache ein wichtiges Instrument zur Durchsetzung von Politik. Bestes Beispiel war Wolfgang Schäubles (missglücktes) Hysterieschüren zur WM 2006.
    Auffällig ist die Zahl der "in letzter Sekunde verhinderten" Attentate: Sogar die Polizei warnt schon vor Panikmache. Aber nicht nur Ausländer, auch Kidnapper, Raubmörder, Sittenstrolche werden zur Mammutgefahr aufgeblasen. Vor allem älteren Menschen und simplen Gemütern soll trotz rückläufiger Verbrechensstatistik suggeriert werden, hinter jeder Straßenecke lauere das Unheil. Umfragen zeigen, dass sich verängstigte Bürger mehr Schnüffel- und Polizeistaat gefallen lassen.
  6. Durch panem et circenses, "Brot und Spiele", wollten schon die alten Römer das Volk zufriedenstellen und vor allem von der Politik fernhalten. Es ist das Zuschütten mit unzähligen (auch amüsanten) Lappalien, um nur nicht auf das Wesentliche zu kommen.
    Aktuell geschieht dies besonders durch den Einzug des "Boulevard" auch in seriöse Medien - sogar Spiegel Online hält über Pooth, Bohlen oder Klum auf dem Laufenden, und selbst in Nachrichtensendungen nimmt Unpolitisches (Unfall, Entführung, Prinzenhochzeit, Promischeidung) immer mehr Raum ein. Ähnlich wie in Bild, findet Politik zunehmend nur noch stichwortartig statt. Politmagazine werden gekürzt oder in die Nacht verlegt, dafür das Angebot für "bildungsferne" Mitbürger ständig erhöht. Das Einschaltquotenargument ähnelt dabei einer Knastkantine, die nur Gammelfleisch und Gammelfisch anbietet, und weil 80 Prozent notgedrungen das Gammelfleisch wählen, dieses zum Leibgericht der Insassen erklärt.
  7. Ob Videospiel, Wahrsagen, Telenovela, Groschenroman oder Sekte: Die Angebote zur Flucht in Scheinwelten schießen wie Pilze aus dem Boden. Dabei ist für jede Schicht etwas dabei: Statt sich politisch oder "nur" gesellschaftlich zu engagieren, soll man sich in die eigene Traumwelt flüchten, die ganz bewusst mit der Realität nichts zu tun hat. Aus dem normalen Abschalten wird so bei immer mehr Bürgern ein dauerhaftes Ausklinken aus einer frustrierenden Wirklichkeit.
    Auch die Kirchen tragen zur Volksverblödung dort bei, wo sie - in den Augen vieler argloser Christen im Namen Gottes - die neoliberale Entsozialisierung und Umverteilung als "notwendige Reformen" moralisch abdecken.
    Wirklichkeitsflüchtige Staatsbürger sind besonders pflegeleicht für die Obrigkeit. Natürlich weisen die Mächtigen und ihre Politiker den Vorwurf der absichtlichen Verblödung zurück - aber verwahrt sich nicht auch eine bildhübsche umschwärmte 25-jährige Frau gegen die Unterstellung, sie heirate den 86-jährigen Milliardär nicht nur aus Liebe.
  8. Eine große Erleichterung für die Betreiber der Volksverblödung ist die Angewohnheit vieler Menschen, sich der Meinung der vermeintlichen Mehrheit oder eines "neuen Trends" anzuschließen. Dies ist häufig verbunden mit dem hirnschonenden Nachquatschen irgendwelcher Phrasen, um sich wichtig zu machen oder um "dazuzugehören". Auch so mancher Party-Intellektuelle oder Stammtischphilosoph gibt mit bedeutsamer Miene Weltbewegendes über große Politik und Wirtschaftsreformen wieder, das er kurz zuvor bei Anne Will aufgeschnappt oder im Spiegel gelesen hat. Wenn keiner der Beteiligten den leisesten Schimmer vom Thema hat, braucht auch niemand das blamable Auffliegen zu befürchten.
    Zwar wissen wir aus dem Spiel Stille Post, dass die falsche Wiedergabe von Falschem keineswegs etwas Richtiges ergibt. Andererseits kann man jedem alles weismachen, wenn er die Zusammenhänge nicht kennt.

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Wo früher der Sozialstaat die Klassen und Schichten halbweg zusammenhielt, die Unterschiede zwischen unten und oben abmilderte und teilweise sogar echte Aufstiegschancen bot und das Gefühl "wir sitzen alle in einem Boot" die Gesellschaft kennzeichnete, machen heute die Schichten "ihr eigenes Ding".
Die Reichen und Mächtigen klinken sich aus der sozialen Verantwortung und dem gesellschaftlichen Zusammenleben zusehends aus, machen nach unten dicht, "sind wieder elitär, rekrutieren sich in einem lange nicht mehr gekannten Umfang aus sich selbst, nach den - höchst leistungswidrigen - Indikatoren von vertrauter Zugehörigkeit, kulturellen Codes und distinktem Gruppenhabitus" (Franz Walter). Integration, soziale Kompromisse und christlich motivierte Solidarität sind ihnen ebenso fremd und zuwider wie die "altmodische" Fürsorgepflicht des Unternehmers.
Gleichzeitig wächst die Armee der Armen, "Bildungsfernen", Überflüssigen und Chancenlosen, deren erstes spätkindliches Aha-Erlebnises ist, dass sie unten sind und - wenn nicht ein Wunder oder ein Casting geschieht - immer unten bleiben werden. Überhaupt hat ihr Leben, ihr Erfahrungshorizont mit dem der Reichen nicht das mindeste zu tun.

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Wenn dann der Aufschwung die Einkommen aus Kapitalbesitz explodieren lässt, während er beim Rest der Gesellschaft "nicht ankommt", heizt dies die Stimmung nur noch mehr an. Kein Wunder, dass bereits 61 Prozent der Wahlberechtigten meinen, es gebe keine Mitte mehr, nur noch oben und unten.
Sogar Bild warnte am 5. Mai 2008, alarmiert durch eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey: "In Deutschland bricht die Mittelschicht weg - Die deutsche Gesellschaft droht immer stärker in Arm und Reich zu zerfallen."
Nur allzu verständlich, dass diese ominöse Mittelschicht so langsam ins Grübeln kommt: Was ihr gestern noch als reelle Aussicht auf Karriere, soziale Sicherheit und sorgenfreie Zukunft erschien, erkennt sie jetzt als trügerische "Chance" wie in einem Tele-Gewinnspiel. Die Flausen von den unbegrenzten Möglichkeiten der "Informationsgesellschaft" hatte ihr ohnehin der Zusammenbruch des neuen Marktes ausgetrieben, doch nun sieht sie, dass es so langsam eng wird: Der Optimismus mutiert zur Skepsis und die Aufstiegsträume zur Angst vor dem sozialen Abstieg.
Diese Spaltung der Gesellschaft in ein winziges Oben und ein riesiges nivelliertes Unten ist aber für die Reichen und Mächtigen brandgefährlich: Was, wenn die Bevölkerung sich einig wird?
Gezielte und systematische Volksverdummung wird damit zur Überlebensfrage!



Ludwig Feuerbach

Das Leben solltest du genießen
wie einen vorzüglichen Wein.
Schlückchenweise mit Pausen.
Auch der beste Wein verliert seine Köstlichkeit,
wenn wir ihn nicht mehr schätzen
und hinunterstülpen wie Wasser.



Georg Schramm (Mitternachtsspitzen, Juli 2010)



Die 3 Siebe des Sokrates

Zum weisen Sokrates kam einer und sagte: "Höre, Sokrates, das muß ich dir erzählen!"

"Halte ein!" unterbrach ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe gesiebt?" - "Drei Siebe?", fragte der andere voller Verwunderung.

"Ja, guter Freund! Laß sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die 3 Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. - Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?" "Nein, ich hörte es jemanden erzählen und..."

"So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. - Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, gut?" - Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..."

"Hm", unterbrach ihn der Weise, "so laßt uns auch das dritte Sieb noch anwenden. - Ist es notwendig, daß du mir das erzählst?" - "Notwendig nun gerade nicht ..."

"Also", sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so laß es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit."



Jean-Luc Picard (Star Trek 7)

Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns, wie ein Raubtier, ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, daß die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet, uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen.





Aus "Das verlorene Symbol" von Dan Brown

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Langdon ließ den Blick über die Gesichter der Studenten schweifen. "Hört sich das für noch jemanden eigenartig an?"
"Ja!", antworteten mehrere Stimmen gleichzeitig.
Langdon tat so, als seufzte er aus vollen Herzen. "Das ist schlecht. Wenn Ihnen das schon eigenartig vorkommt, werden Sie meinem Kult wohl nie beitreten wollen."
Erneut breitete sich Stille im Saal aus. Die Studentin aus dem Women's Center schien sich nicht wohl in ihrer Haut zu fühlen. "Sie sind Mitglied eines Kults?"
Langdon nickte und senkte die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern. "Verraten Sie es niemandem, aber am Tag des heidnischen Sonnengottes Ra knie ich mich vor ein altertümliches Folterinstrument und verspeise auf symbolische Weise Fleisch und Blut."
Schockiertes Schweigen im Hörsaal.
Langdon zuckte die Schultern. "Und falls sich jemand von Ihnen zu mir gesellen möchte, kommen Sie am Sonntag in die Harvard Chapel, knien Sie sich neben mir unter das Kruzifix und teilen Sie mit mir die heilige Kommunion."
Die Studenten schwiegen noch immer.
Langdon zwinkerte ihnen zu. "Bleiben Sie unvoreingenommen, meine Freunde. Wir alle fürchten uns vor dem, was wir nicht verstehen."
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Erwin Pelzig (Neues aus der Anstalt, September 2011)



Aus "ÖKONOMEN HABEN IHRE DEUTUNGSHOHEIT VERLOREN"
( Bild der Wissenschaft, Ausgabe 4/2012, Seite 88)

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Wie vor zehn Jahren bestehen im Wesentlichen drei Entwicklungsmöglichkeiten: Die erste ist eine Welt der Balance, eine Welt also, die in Bezug auf die sozialen Verhältnisse und Einkommensdifferenzen etwa so ausgewogen ist wie heute Europa. Europa hat die Chance und die Aufgabe zu vermitteln, dass ein solches supranationales friedliches Modell auch global erfolgreich sein kann. Eine Alternative dazu ist die Brasilianisierung der Welt – also eine weltweite Zweiklassengesellschaft, gespalten in Reich und Arm, so wie das heute in Brasilien leider immer noch der Fall ist, trotz einiger Fortschritte in den letzten Jahren. Im Fall einer weltweiten Brasilianisierung würde ein Großteil der Menschen in den heute wohlhabenden Ländern deutlich ärmer werden. Hierzu ein Gedankenmodell: Wenn 90 Prozent der Menschen in den OECD-Staaten kein Auto mehr fahren, kein Fleisch mehr essen und nicht mehr heizen, erledigen sich die Energie- und Klimaprobleme von alleine. Weil die Menschen dann im Schnitt früher sterben würden, lösten sich auch ein Großteil der Kostenprobleme einer älter werdenden Gesellschaft von alleine. Die Staaten könnten sich entschulden. Das angestrebte Wirtschaftswachstum in den ärmeren Staaten bräuchte nicht mehr so hoch zu sein, wie heute gefordert, weil die Vorbilder ja ärmer wären – es würde also zu einer Angleichung nach unten statt nach oben kommen.

Aber das strebt niemand an.
Das sehe ich anders – und selbst wenn niemand es intendieren würde, wäre es immer noch der wahrscheinlichste Weg in die Zukunft, der sich selbst in Deutschland schon durch den zunehmenden Billiglohnsektor andeutet, weil die Brasilianisierung nämlich keinen weltpolitischen Konsens erfordert, sondern sich bei fehlendem Konsens von alleine einstellt. Dieser Weg ist übrigens immer noch besser als der dritte Entwicklungspfad hin zum ökologischen Kollaps. Bei dieser Variante könnten ein bis zwei Milliarden Menschen verhungern, was bei der Brasilianisierung nicht der Fall wäre. Das würde etwa geschehen, wenn aufgrund eines drastischen Klimawandels in Asien der Monsun ausbleibt, die Gletscher abschmelzen und die großen Flüsse in der Folge weniger zuverlässig die Wasserversorgung sichern. Dadurch käme es rasch und weltweit zu gravierenden Engpässen bei der Nahrungsmittelproduktion.

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"Alles Vollidioten" Kommentar von Juli Zeh zum 'Anti-Islam-Video' und dessen Folgen

"Ständig heißt es, die Lage sei kompliziert. Ist sie aber nicht. Es ist ganz einfach. Auf allen Seiten des vermeintlichen Konflikts um das Islam-Video stehen Vollidioten. Es sind Vollidioten, die den Film gedreht haben. Vollidioten wollen ihn in Berlin öffentlich zeigen. Und für die Leute, die wegen eines Films unschuldige Menschen umbringen, ist Vollidiot sogar ein zu schwacher Begriff.

Es kann also nicht darum gehen, sich auf irgendeine Seite zu schlagen. Das macht es so einfach. In einer Lage, in der auf keiner Seite ein berechtigtes Interesse steht, hält man schlicht und ergreifend an seinen Prinzipien fest. Das Prinzip lautet: Wir verbieten keine Filme, egal, wie schlecht sie sind, solange der Film keinen Straftatbestand verwirklicht.

Was alle Beteiligten endlich begreifen müssen: Die Frontlinie des sogenannten "Kampf der Kulturen" verläuft nicht zwischen Morgenland und Abendland. Auch nicht zwischen Christentum und Islam. Die Linie verläuft zwischen den Fanatikern auf beiden Seiten – und den Vernünftigen auf beiden Seiten. Und die Fanatiker sind glücklicherweise in der absoluten Minderheit. Es sind Einzelne, die einer großen Masse von Vernünftigen gegenüberstehen. Was wir brauchen, ist ein Pakt der Vernunft, der Länder- und Kulturgrenzen überschreitet. So wenig, wie die Macher des Films Amerika oder Deutschland repräsentieren, so wenig repräsentieren die Attentäter die Menschen in Libyen oder Afghanistan. Vernünftige Menschen drehen solche Filme nicht, zeigen solche Filme nicht, regen sich über solche Filme nicht auf – und sie verbieten solche Filme nicht.Eine Demokratie ist kein Schönwetter-Betrieb. Gerade in schlechten oder als schlecht empfundenen Zeiten gilt es, an demokratischen Prinzipien festzuhalten. Die Aufklärung ist der richtige Weg. Auf diesem Weg dürfen wir nicht umkehren. Meinungs- und Kunstfreiheit gehören notwendig dazu. Wer die Demokratie rückbauen will, weil er glaubt, sich in einer Art Krieg zwischen Christentum und Islam zu befinden, macht sich mit den Vollidioten gemein. Er gibt den Vollidioten mehr Macht, als sie verdienen. So einfach ist das: Wir müssen an unseren Grundsätzen festhalten. Sonst haben die wenigen Vollidioten über die vielen Vernünftigen gesiegt."

Gefunden in ZDF/Aspekte vom 21.9.2012



Out or In
Ulrike Mißbach (Mindener Tageblatt, 26.10.2013, Seite 4)

Endlich Wochenende! Gerne würde ich den Tag mit einer Tasse Tee und einem Brötchen beginnen und dazu in aller Ruhe die Tageszeitung lesen. Später würde ich meiner Freundin in der Schweiz einen Brief schreiben und mit meinen Eltern am Telefon einen kleinen Plausch halten.
Mit einem Gläschen Wein sowie Dvoraks Symphonie Nr. 9 auf dem Plattenteller könnte dann der Tag in aller Ruhe ausklingen. Könnte, aber dann wäre ich alles andere, als "Aus der neuen Welt". Und wer will das schon!

Wer up to date sein möchte, düst zum Drive In und ordert einen Coffee-to-go (ich mag zwar keinen Kaffee, aber egal). Auf dem Tablet scrolle ich die aktuellen News. Parallel dazu checke ich, wer mir was auf Facebook gepostet hat und wie viele Follower ich inzwischen bei Twitter habe. Mit meiner Freundin skype ich und poste parallel vom iPhone ein Instagram-Foto im Vintage-Stil.
Wieder zu Hause telefoniere ich mit meinen Eltern. Das geht als Retro durch, da meine Eltern noch im Besitz eines orangefarbenen Telefonapparats mit Wählscheibe sind.

Später trinke ich einen Hugo, um dann die neusten Songs von Daft Punk und Will.i downzuloaden.
Zugegeben, zum Chillen bin ich nicht so richtig gekommen, aber mega-in.
In diesem Sinne ein schönes Wochenende.

Out or In - Nachtrag

Und ich warte immer noch darauf, dass Out-Sein in ist...



Die Anstalt: Rente (März 2014)



Heute Show: Entspannt verarscht werden mit der #GroKo (28.3.2014)



Willkommen in der Matrix! Ein Update.
André Wesche (Trend Journal August 2014, Seite 3)

In ihrem Film "Matrix" zeichnen die Wachowski-Geschwister (damals noch die Wachowski-Brüder) ein düsteres Bild einer nicht allzu fernen Zukunft. Das Experiment der Menschheit, künstliche Intelligenzen zu erschaffen, ist geglückt und gescheitert zugleich. Geglückt, weil es perfekt funktioniert hat. Gescheitert, weil die klugen Maschinen die Macht übernommen haben und ihren Energiebedarf auf ökologisch absolut unbedenkliche Weise decken: Sie zapfen die Menschen an, die sie sediert in Brutkästen halten und von einem selbstbestimmten Leben träumen lassen, während sie nach Strich und Faden ausgesaugt werden. Willkommen in der Matrix!

Ein deutscher Nachrichtensender zur lukrativen Frühstückszeit. Die wichtigste Schlagzeile des Tages: Ein führender Elektronikriese bringt sein neues Smartphone / Tablet auf den Markt. Stundenlang haben Menschen Schlange gestanden, um gegen Mitternacht als Erster eines der begehrten Geräte in Händen zu halten. Schließlich wurde angedeutet, dass es zu Lieferengpässen kommen könnte. Nicht auszudenken, wenn der Mitschüler / Kollege / Kumpel eines der Teile abfassen würde, man selbst aber noch mit dem Vorjahresmodell hantieren müsste! Nochmal: Es wurde kein Mittel gegen Krebs entdeckt. Niemand hat eine neue Energiequelle für die Zukunft aufgetan. Es wird über das neueste Modell eines besseren Telefons Bericht erstattet. Und anderswo sterben anonyme Menschen einen ungerechten Tod und gehen uns gepflegt am Arsch vorbei.

Nun hat es auch meinen besten Freund Christian und seine Frau erwischt. Bis zuletzt haben sie dem Smartphone-Wahn widerstanden. Aber nun haben sie sich in die Matrix eingereiht, in das Heer der Menschen, die auch beim netten Abend mit Freunden nervös auf ihr Touchscreen schielen in der furchtbaren Gewissheit, während des gemeinsamen Gesprächs sicherlich Weltbewegendes zu verpassen. Dabei könnte man mit einer App jetzt herausbekommen, welcher Flieger den Himmel über dem heimischen Garten gerade mit Kondensstreifen verziert. Man könnte Freunde mit gefakten Anrufen veräppeln, bei denen sich ein glaubwürdiger Italiener dafür entschuldigt, dass die (niemals bestellte) Pizza 15 Minuten später kommt. Irgendwann kann dann selbst der Härteste nicht mehr an sich halten, er nimmt sein Gerät und zeigt einem total witzige Bilder und Filmchen, die andere Bewohner der Matrix eingestellt haben. Eine Blondine im Minikleid kackt sich ein. Zum Wiehern! Noch vor wenigen Jahren nervte das Geraschel der Zeitungen den S- und U-Bahnfahrer. Heute wischen gefühlte 90% der Mitfahrer katatonisch über ihre Geräte. Das ist nicht nur wunderbar still, sondern auch praktisch. Früher musste man noch selbst nachdenken. Heute denken andere für einen, führen einen an die richtigen Orte, empfehlen Produkte, von denen man gar nicht wusste, dass man sie vermisst und versorgen einen mit den Nachrichten, die man erfahren soll.

An künstlichen Intelligenzen wird mit Hochdruck gearbeitet. Vorerst müssen aber noch die natürlichen genügen. Bis es soweit ist, übernehmen nur allzu gern die menschlichen Vertreter der Maschinen das Sorgerecht für die angezapften Mitbürger. Bald werden sie uns Brillen verpassen, mit denen wir das sehen, was wir sehen sollen. So ähnlich, wie "Neo", der seine Welt vorgespiegelt bekam, bevor man ihn ausstöpselte. Und man wird uns auf Schritt und Tritt verfolgen. Danach kommen die praktischen Implantate. Wir werden wieder Schlange stehen, um sie als Erste zu ergattern.

Und dann folgt der Brutkasten.

Nein, hier spricht niemand, der versucht, den technischen Fortschritt aufzuhalten. Technik ist etwas Wunderbares. Alkohol übrigens auch. Ein Gläschen in geselliger Runde wird von vielen Menschen geschätzt. Aber man muss damit umgehen können. Gefährlich wird es, wenn man die Grenze überschreitet und nicht mehr weiß, was man tut. Wenn man sein Verhalten nicht mehr bewusst steuert, der Alkohol den eigenen Willen bricht und die Führung übernimmt.

Ich befürchte, mit den Smartphones und Co. verhält es sich nicht anders.
Diagnose: Gehirn-Zirrhose.



Juli 2016: Georg Schramm: Der Kernkonflikt unserer Zeit



zdf Die Anstalt 5.04.2016



Wilfried Schmickler - Genug Elend gesehen / 19.12.2015 / MItternachsspitzen



Volksentscheid
Oktober 2016

Volksentscheide wären sinnvoll, falls es eine Möglichkeit gäbe, die Bürger umfassend und zweifelsfrei objektiv zu informieren. Ich könnte mir zum Beispiel eine Informationsveranstaltung ähnlich wie ein Gerichtsverfahren vorstellen: Die Vertreter der Befürworter und der Gegner hätten die Möglichkeit je zwei bis drei Experten "in den Zeugenstand zu rufen" und zu befragen - durchaus auch mit "Kreuzverhör". Diese Experten sollten natürlich auch vereidigt werden, mit allen strafrechtlichen Konsequenzen eines Meineids. Dieses "Verfahren" müsste von allen großen TV-Sendern übertragen werden, zeitversetzt und wiederholt, damit jeder die Möglichkeit hat, sich über alle Aspekte und Folgen des Volksentscheids zu informieren.

Allerdings befürchte ich, dass viele Menschen lieber auf Parolen (wie z.B. "Independence Day" vor der Brexit-Abstimmung) und Propaganda hören, als sich selbst die Mühe zu machen, die Argumente der beiden Seiten abzuwägen. Aber vielleicht bin ich diesbezüglich auch zu pessimistisch.



"Reichsbürger"
29.10.2016

Was wäre, wenn man die sogenannten "Reichsbürger", die die Bundesrepublik nicht anerkennen und auf ihrem Grundstück einen eigenen Staat ausrufen, ernst nehmen, ihren "Staat" anerkennen und dem Reichsbürger die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen würde? Da dieser Staat nicht zum Schengen-Raum gehört, müsste natürlich die Grenze befestigt (z.B. einfach mit Natodraht) und kontrolliert werden. Will jemand von dort in die Bundesrepublik Deutschland einreisen, müsste diese Person in jedem Fall ein Visum beantragen. Und für aus der Bundesrepublik Deutschland ausgeführte Waren - auch für Gas, Wasser, Strom - wäre natürlich ein saftiger Ausfuhrzoll zu entrichten (die Grenze muss ja finanziert werden). - Ach, man wird doch noch träumen dürfen...

Reichsbürger - Nachtrag

Es wird Zeit, dass mal jemand eine Zeitmaschine erfindet, damit man die Reichsbürger endlich abschieben kann...



WhatsApp
10.11.2016

Kann man "WhatsApp" als kommerziellen Nachrichtendienst bezeichnen?



Smarte neue Welt
Zipperts TV-Welt (HÖRZU, Heft 4/2017, Seite 122)

Auf der Elektronikmesse in Las Vegas konnte man schon heute sehen, wie wir morgen leben müssen. Im Trend: die Vernetzung. Smarte Hundehalsbänder, Betten und Krückstöcke senden Daten an alle Geheimdienste der Welt, ohne dass der Kunde einen Cent dazubezahlt. Toaster, Pürierstäbe und Kühlschränke warten nur darauf, gehackt zu werden. Das selbstfahrende Auto bringt den selbstarbeitenden Roboter in die Firma, wenn wir das Badezimmer nicht verlassen können, weil der intelligente Badezimmerspiegel sich weigert, unser Gesicht zu erkennen und die Tür aufzuschließen. Dafür können wir uns Filme auf den Spiegel laden, um die Wartezeit zu verkürzen, bis Amazon-Drohnen etwas zu essen ans Badezimmerfenster bringen. TV gibt's überall: Die Badezimmerkacheln sind Touchscreens, auch auf Handtuch oder Waschlappen können wir Fußball gucken. Der intelligente Waschlappen erkennt außerdem, ob wir uns mal wieder waschen müssen, und nimmt Kontakt mit der Dusche auf. In der Duschkabine läuft ein Science-Fiction-Film über einen Mann, der 20 Jahre im Badezimmer eingesperrt war.



Nico Semsrott in der heute-show vom 10.03.2017



Klimawandel
12.07.2017

Im Internet kursiert folgendes:
"CO₂ kann niemals am Klimawandel schuld sein. In der Luft sind 0,038 Prozent CO₂, davon produziert die Natur 96 Prozent, den Rest, also 4 Prozent, der Mensch. 4 Prozent von 0,038 Prozent sind 0,00152 Prozent. Der Anteil Deutschland hieran ist 3,1 Prozent. Damit beeinflusst Deutschland 0,0004712 Prozent der Luft. Diese Führungsrolle in der Welt kostet uns jährlich an Steuern und Belastungen etwa 50 Milliarden Euro."

Man kann nachlesen, dass Kohlenstoffdioxid (CO₂) einen Anteil von 9 – 26 % am natürlichen Treibhauseffekt hat (abhängig von der Bewölkung bzw. vom Wasserdampf in der Luft). Selbstverständlich weiß ich nicht mit Sicherheit, ob dieser Wert korrekt ist. Aber einfach zu behaupten, "CO₂ kann niemals am Klimawandel schuld sein", weil sein Anteil in der Atmosphäre so gering ist, ist völliger Unsinn. Sonst könnte ich ja genauso behaupten: 0,5 g Zyankali sind ja weit weniger als 0,001 % meines Köpergewichts – das kann doch keine Auswirkungen auf meine Gesundheit haben (obwohl diese Dosis absolut tödlich ist).

Die folgenden Zitate stammen von https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlenstoffdioxid_in_der_Erdatmosphäre:

"Obwohl Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre nur in der sehr geringen Konzentration von 0,04 Prozent vorkommt, ist es für das Leben auf der Erde in vielerlei Hinsicht von elementarer Bedeutung."

"Als Treibhausgas beeinflusst CO₂ trotz seiner geringen Konzentration durch den Treibhauseffekt das Klima der Erde und durch seine Löslichkeit in Wasser den pH-Wert der Ozeane wesentlich."

"Bei klarem Himmel beträgt der Anteil von CO₂ am gesamten Treibhauseffekt 26 %. 60 % des Treibhauseffekts ist zwar auf Wasserdampf zurückzuführen, jedoch hängt die Konzentration von Wasserdampf in der Erdatmosphäre über die Clausius-Clapeyron-Gleichung allein von der globalen Durchschnittstemperatur der Erde, also vom Dampfdruck ab und lässt sich nur darüber dauerhaft verändern. Wasserdampf wirkt auf diese Weise lediglich verstärkend auf globale Temperaturveränderungen. Damit ist Kohlenstoffdioxid das wichtigste Treibhausgas, dessen Konzentration nachhaltig unmittelbar geändert werden kann."

"Der anthropogene CO₂-Eintrag beträgt zwar nur 3 % der jährlichen natürlichen Emissionen, jedoch werden die 97 % natürlicher Emissionen von natürlichen Kohlenstoffsenken wieder vollständig aufgenommen. Der menschengemachte Eintrag in den globalen Kohlenstoffzyklus wurde bislang etwa zur Hälfte von Meeren, Böden und Pflanzen aufgenommen. Der Rest verblieb in der Luft, was seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem steten Konzentrationsanstieg in der Atmosphäre geführt hat."

"Diese gegenwärtige Konzentration liegt um 40 % oberhalb des vorindustriellen Werts von 280 ppm und um 33 % über dem höchsten in den vergangenen 800.000 Jahren jemals erreichten."

"Der jüngste drastische Anstieg der CO₂-Konzentration ist gänzlich menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben."

Klimawandel - Nachtrag

Ich frage mich, warum manche Leute der Meinung sind, man soll nicht auf die Wissenschaftler hören, sondern auf Laien, die sich einzelne Daten herauspicken und darauf eine Prognose aufbauen. Es wird behauptet, die Prognose eines menschenverursachten Klimawandels würde den Wissenschaftlern nützen. Dann muss aber auch die Frage erlaubt sein: Wem nützt das Abstreiten? Den großen Konzernen, die so lange wie möglich gute Gewinne machen wollen, ohne etwas verändern oder entsprechend investieren zu müssen? Den heutigen Menschen, die sich nicht einschränken wollen und denken: Nach uns die Sintflut? Warten wir also ab, ob uns die übernächste Generation verfluchen wird und uns Egoisten, Ignoranten und Dummköpfe nennen wird oder nicht.



Die Irdischen und die (fiktiven) Außerirdischen
01.08.2017

Die Menschheit hat eine geniale Strategie gegen mögliche Alien-Invasionen: Wir plündern und verschmutzen unseren Planeten selbst, dann hat kein Außerirdischer mehr Interesse daran.
Obwohl - es gibt auch die Idee (in der SF-Geschichte "Ockhams Skalpell" von Theodore Sturgeon), dass die Menschheit schon unterwandert ist, und dass das, was wir Umweltverschmutzung, Klimawandel etc. nennen, "außerirdisches Terraforming" ist. Dass jemand auf solch eine Idee kommt, sollte den Menschen zu denken geben.
Mit anderen Worten: Machen wir mit der Erde nicht selbst schon das, was wir im allgemeinen nur den bösen Aliens zutrauen? - In der Science Fiction werden allerdings diejenigen, die den Menschen ihren Heimatplaneten nehmen wollen, erbittert bekämpft. Aber gegen wen sollte man kämpfen, wenn man selbst Teil des Problems ist...



Obermarktpassage in Minden
16.09.2017

Im Mindener Tageblatt vom 14.09.2017 war zu lesen, dass der Eigentümer offensichtlich nicht an Gesprächen über die Zukunft der Obermarktpassage interessiert ist. Könnte man den Gebäudekomplex nicht unter Denkmalschutz stellen? Dann hätte man doch die Möglichkeit, im Rahmen des Denkmalschutzgesetzes mehr Druck auf den Eigentümer auszuüben. Der Eigentümer wiederum hätte dadurch bei einer Sanierung erhebliche Steurvorteile. Die Calwer Passage in Stuttgart wurde z.B. auch unter Denkmalschutz gestellt. Und der "Deilmannbau" schließlich auch.



Bäume
18.10.2017

Manche Menschen meinen, Bäume machen nur Dreck und Arbeit. Ich verbinde mit Bäumen aber auch diese Begriffe: Natur, Luftverbesserung, Schatten, Früchte, Lebensraum, Geborgenheit, Ehrfurcht, Schönheit, Schutz, Erholung, natürlicher Kreislauf ...



John Lennon

Als ich fünf war hat mir meine Mutter immer gesagt, dass es das Wichtigste im Leben sei, glücklich zu sein.

Als ich in die Schule kam, baten sie mich aufzuschreiben, was ich später einmal werden möchte. Ich schrieb auf: "glücklich".

Sie sagten mir, ich hätte die Frage nicht richtig verstanden. Und ich antwortete ihnen, sie hätten das Leben nicht richtig verstanden.



Harald Lesch im Livestream (31.01.2018)



???
08.02.2018

Ich habe gestern in den Kommentaren zu einem Youtube-Video von Harald Lesch üble Beschimpfungen und Diffamierungen gelesen. Die richteten sich sowohl gegen ihn persönlich ("Lügenglatze" und Schlimmeres) als auch gegen die etablierte Naturwissenschaft und alle seriösen Wissenschaftler, die forschen und Forschungsergebnisse veröffentlichen und damit zur Mehrung des Wissens der Menschheit beitragen (sicherlich mit dem einen oder anderen Irrweg, aber meist bemüht, Theorien zu entwickeln, deren Vorhersagen sich durch Beobachtungen oder Messungen bestätigen oder schlimmstenfalls widerlegen lassen).

Die Kommentare hörten sich zum Teil wie eine Verschwörungstheorie an. Aber manches erinnert mich auch an Aussprüche und Parolen, die ich in der letzten Zeit auch in völlig anderem Zusammenhang gehört habe ("Lügenglatze" – "Lügenpresse"). Was soll damit bezweckt werden? Sind es einfach nur böse Provokationen von Internet-Trollen? Oder soll die Verbreitung von Wissen und Informationen generell in Verruf gebracht werden?

Aber vielleicht bin ich ja auch naiv, und die vielen tausend Naturwissenschaftler in aller Welt stecken alle unter einer Decke, verbreiten Lügen und halten uns von der Wahrheit fern? Irgendwie kann ich das nicht glauben...



Katalonien (als Beispiel für verschiedene Regionen in Europa)
2018

Wenn man die Forderung "Freiheit für Katalonien" hört, muss man sich fragen, ob die Katalanen wirklich unfrei sind. Möglicherweise insofern, dass Katalonien als wirtschaftsstarke Region etwas an schwächere Regionen abgeben muss. Oder aber die Katalanen unterscheiden sich so sehr von den restlichen Spaniern, dass sie sich nicht zugehörig fühlen. Aber wäre mit der Unabhängigkeit alles gut? Den Einwohnern Barcelonas könnte ja auch irgendwann der Floh ins Ohr gesetzt werden, dass die Unterschiede zum Umland zu groß sind, und sie fordern dann Unabhängigkeit von Katalonien, Freiheit für Barcelona? Vielleicht gibt es dann in Barcelona Stadteile, die sich dann aus den gleichen Gründen gerne vom Rest trennen würden und Freiheit und Unabhängigkeit fordern? Wo soll das enden? Wo bleibt das Gemeinschaftsgefühl und die Solidarität?



Fußball-Weltmeisterschaft 2018
03.07.2018

Oft denke ich, viele Spieler sollten lieber Rugby spielen. Ich möchte mir Fußball ansehen, und nicht Halten, Runterdrücken, Schubsen, Ziehen und Gerangel.



Fußball-Weltmeisterschaft 2018 (Nationalhymne)
04.08.2018

Ich finde es merkwürdig, dass manche Leute der Ansicht sind, Lippenbewegungen qualifizieren einen Menschen für die Nationalmannschaft. Ist derjenige, der sein Herz auf der Zunge trägt oder zumindest so tut als ob, besser geeignet für sein Land zu spielen? In die Köpfe kann man ja sowieso nicht schauen. Aber vielleicht stärkt gemeinsames Singen ja das Gemeinschaftsgefühl und verbessert damit die Mannschaftsleistung. Aber dann müssten die Spanier (die Hymne hat gar keinen Text) oder die Argentinier (es wird nur der textlose Anfang gespielt) ja völlig erfolglos sein (falls sie denn überhaupt Teams aufstellen dürften)...



Mögliche Abschaffung des Bargelds
04.08.2018

Durch die Abschaffung des Bargeldes würde jeder gezwungen, zuzulassen, dass jeder Kauf, jede Bezahlung zusammen mit den persönlichen Daten gespeichert und ausgewertet werden kann. Bisher geschieht das auf freiwilliger Basis, z.B. bei Internet-Käufen oder über die Punkte-Sammel-Karten. Ich persönlich möchte nicht, dass irgendjemand absolut lückenlos auswerten kann, was ich esse und trinke, wie ich mich kleide und einrichte, was ich lese und was für Filme ich anschaue, was für Hobbys ich habe, wo ich überall war und was ich da gemacht habe usw. usw. Durch solch ein lückenloses Persönlichkeitsprofil würden mich die entsprechenden Unternehmen besser kennen als ich selbst. Von Lord Francis Bacon stammt der bekannte Satz: "Wissen ist Macht." Und ich meine immer noch: "Wissen über mich ist Macht über mich." Sollten die Menschen nicht Angst haben vor der Überwachung und im schlimmsten Fall Manipulation durch übermächtige Konzerne oder Interessengruppen (US-Wahl/Brexit/Facebook-Skandal lassen grüßen!)? - Aber vielleicht bin ich ja auch ein bischen paranoid oder einfach nur altmodisch...

Aber das ist ja nur ein Aspekt. Ein anderer ist die vollständige Privatisierung und Kommerzialisierung des lebensnotwendigen Zahlungs- bzw. Geldsystems. Warum wird die Abschaffung des Bargeldes angestrebt und die Entwicklung von den einschlägigen Konzernen und Banken gefördert? Wie bei der Teil-Privatisierung der Altersvorsorge liegt die Antwort auf der Hand: weil man damit Geld verdienen kann - offensichtlich viel Geld! Wer bekommt das Geld? Die großen Unternehmen und Banken, die die bargeldlosen Bezahlsysteme anbieten. Und wer bezahlt das Ganze? Im Endeffekt natürlich der Verbraucher. Wer denn sonst? Also: die vielen Kleinen zahlen und die wenigen Großen kassieren. Ist das sinnvoll (außer für die Großen)?

Übrigens: wer mit den hohen Handlingkosten des Bargeldes argumentiert, verschweigt gerne die Kosten der bargeldlosen Bezahlsysteme.

Natürlich hat ein bargeldloses Bezahlsystem für viele Menschen den unbestreitbaren Vorteil, dass es ausgesprochen bequem ist.



Aus dem Leserbrief von Günter Rahnenführer im Mindener Tageblatt (23.08.2018)
zum Leserbrief

...
Obwohl ich mit einigen Entscheidungen der Judikative absolut nicht einverstanden bin, bin ich froh und dankbar in einem funktionierenden Rechtsstaat zu leben. Wenn sich nun aber die Exekutive über die Judikative hinwegsetzt, ist das dann noch ein Rechtsstaat??? Wir empören uns über Staaten wie die Türkei oder Russland und klatschen Beifall, wenn sich unsere Exekutive, wie im Fall Sami A., über die Judikative hinwegsetzt. Keine Frage, auch ich bin froh, dass wir diesen Gefährder los sind, aber dann bitte auf den Grundlagen unseres Rechtsstaates!!! Wenn die Politik, wie übrigens auch ich, der Meinung ist, dass Flüchtlinge, die ihr Leben und Wirken in diesem Land nicht auf den Grundsätzen unseres Rechtsstaates ausrichten, aus diesem Land entfernen werden müssen, dann sollte die Politik der Justiz entsprechende Gesetze an die Hand geben. Zum Beispiel eine Ausschließlichkeits-Klausel für Straftäter und Gefährder in den § 60 AufenthG. einfügen. ...

Aus dem Leserbrief von Hans Ulrich Gräf im Mindener Tageblatt (23.08.2018)
zum Leserbrief

...
Deckung zu der eher stark nihilistisch geprägten Vorstellungswelt, bezogen auf die Judikative, schafft einmal NRW-Innenminister Herbert Reul, der die Gerichte aufforderte, bei ihren Entscheidungen das Rechtsempfinden der Bevölkerung stärker zu beachten. Ein Zustand, den wir aus zwölf Jahren Nationalsozialismus hinreichend gut kennen. Das ist de facto und de jure die Aufforderung auch an das Bundesverfassungsgericht als einem der ständigen obersten Verfassungsorgane, von Recht und Gesetz Abstand zu nehmen. Das kommt dem Widerruf der Rechtsstaatlichkeit gleich und erfüllt die wesentlichen Tatbestandsmerkmale der Verunglimpfung des Staates durch Verächtlichmachung der verfassungsmäßigen Ordnung sowie der verfassungsfeindlichen Verunglimpfung von Verfassungsorganen (§§ 90a (1) 1. und 90b (1) StGB).
...





Eigenkapitalrentabilität
30.08.2018

Wäre es nicht gesamtgesellschaftlich sinnvoll, wenn die Eigenkapitalrentabilität einen bestimmten Grenzwert nicht überschreiten dürfte und die darüber hinaus gehenden Unternehmensgewinne vom Staat abgeschöpft wüden? Der Grenzwert könnte sich z.B. an den durchschnittlichen Dispozinsen orientieren. Damit hätte der Staat zusätzliche Einnahmen, und die Umverteilung von unten nach oben würde etwas reduziert. Darüber hinaus gäbe es für die Unternehmen einen Anreiz, Kunden, Lieferanten oder Mitarbeiter nicht allzu sehr über den Tisch zu ziehen, oder mehr zu investieren. Es würde dadurch übrigens keinem Menschen etwas weggenommen, nur die Verzinsung des eingesetzten Kapitals würde begrenzt. Vielleicht wäre das eine Alternative zu der schon länger diskutierten Vermögenssteuer.

Aber wahrscheinlich ist das undurchführbar, weil dann die gierigsten Kapitalanleger anderswo investieren würden. Andererseits: wäre das so schlimm (s. Wohnungsmarkt)?



Aus der Eingangshalle des UNO-Hauptquartiers in New York
Saadi (um 1219-1292), Nachdichtung von Karl Heinrich Graf, 1846

Die Adamssöhne sind ja alle Brüder,
aus einem Stoff wie eines Leibes Glieder.
Hat Krankheit nur ein einz'ges Glied erfasst,
so bleibt den andern weder Ruh noch Rast.
Wenn andrer Schmerz dich nicht im Herzen brennet,
verdienst du nicht, dass man noch Mensch dich nennet.



Hagen Rether: Unser Wohlstand steht auf Leichenbergen | WDR



Dieselgipfel
12.10.2018

Jetzt hätte die Bundesregierung im sogenannten Dieselskandal einmal die Möglichkeit gehabt, sich zu profilieren und etwas für die Bürgerinnen und Bürger zu tun. Statt dessen knickt sie vor der Automobilindustrie ein und schießt sich selbst ins Knie. Merken die Politiker das nicht oder ist es ihnen egal. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre...



Zu "Da war noch" im Mindener Tageblatt vom 29.12.2018
30.12.2018

Das ist ja äußerst diskriminierend: 54 EU-weit zur Fahndung ausgeschriebene männliche Schwerverbrecher und keine einzige Frau! Da müsste sich mal jemand, der für Gleichstellung zuständig ist, drum kümmern und eine Frauenquote einführen... ;)



Wissen ist Macht
08.02.2019

"Wissen ist Macht." schrieb Sir Francis Bacon bereits vor ca. 400 Jahren. Vielleicht würde er angesichts der Datenkraken heute schreiben: "Wissen über dich ist Macht über dich."



Meinungsmache
08.02.2019

Ich finde es manchmal unerträglich, dass im Internet oder durch Leserbriefe immer wieder versucht wird, Stimmung zu machen gegen unseren Staat und die EU und die entsprechenden Politiker, gegen unsere freiheitliche Grundordnung, gegen den freien Journalismus, gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen, gegen die etablierten und allgemein anerkannten Wissenschaftler, gegen die großen gemeinnützigen Organisationen, die sich im Wesentlichen durch Mitgliedbeiträge und Spenden finanzieren, etc. Mit anderen Worten gegen das Rückgrat unserer freiheitlichen Gesellschaft - bis auf ein paar Ausnahmen: gegen Großkonzerne, Banken, Finanzinvestoren, Superreiche etc. hat man meist anscheinend nichts. Sollte einem das zu denken geben?



Probleme unserer Zivilisation
08.02.2019

Wenn ich die ganzen Debatten und Kommentare zu den verschiedenen aktuellen Themen - Brexit, Migration, Nationalismus, Klimawandel, Luftreinhaltung, Reich und Arm, Wirtschaft und Politik, Nahrungsmittelüberschuss und Hunger, Plastikmüll, Insektensterben, Chancengleichheit, gesunde Ernährung usw. usw. - verfolge, habe ich den Eindruck, dass die Komplexität und Verzahnung der Probleme und der Einfluss von mächtigen Interessengruppen in unserer Zivilisation immer mehr zunimmt und eine Lösung deshalb immer schwieriger wird. Vielleicht ist das ein Naturgesetz für die Entwicklung von Zivilisationen, und man kann schon aus diesem Grund keine Anzeichen für weit fortgeschrittene Zivilisationen im Universum entdecken.

Probleme unserer Zivilisation - Nachtrag

Manche Menschen brauchen aber anscheinend einfache Lösungen, und so ignorieren sie die Komplexität und die Zusammenhänge. Das führt dann zum Beispiel zu der Überzeugung, dass es gar keinen (menschenverursachten) Klimawandel gibt, oder dass die Ausländer/Asylanten bzw. die Menschen mit anderer Herkunft, anderem Glauben oder anderen Ansichten zumindest einen Teil der aktuellen Probleme verursacht haben, und dass alle, die etwas anderes behaupten, bewusst und planmäßig lügen. Dazu kommt, dass diese Ansichten von den entsprechenden Interessengruppen sehr aktiv und aggressiv verbreitet werden. Dadurch schwindet schließlich auch die Akzeptanz schwieriger echter Lösungen, die möglichst viele Facetten eines Problems berüchsichtigen.



Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO₂)
13.02.2019

Lungenfachärzte behaupten, die geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide hätten keine ausreichende Basis. Wenn diese Aussage von mehr als 100 Lungenexperten kommt, könnte man denken, da muss etwas dran sein. Tatsache ist aber, dass der Initiator sein Positionspapier an 3800 Kollegen verschickt hat, und nur 133 haben unterschrieben. Das sind etwa 3,5%, was das Ganze etwas relativiert. Darüber hinaus widerspricht das Positionspapier den offiziellen Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und des Bundesverbands der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP). Übrigens: Lungenfachärzte, die gegen sauberere Luft sind - ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Am 21. Oktober 2018 gab es in Oldenburg an einer Messstation an einer Hauptstraße überraschend hohe Stickstoffdioxid-Messwerte, obwohl die Straße wegen eines Marathonlaufs stundenlang für Kraftfahrzeuge gesperrt war. Das spricht natürlich aber erst einmal nicht gegen die gesetzlichen Grenzwerte. Nötig wäre eine Ursachenforschung. Misst die Station korrekt und ist sie sinnvoll platziert? Die Aufsichtsbehörden sagen: "Ja!" Gibt es andere Quellen für NO₂, die man beim Bemühen um Reduzierung mit berücksichtigen muss? Da gibt es anscheinend mehrere Verdächtige, zum Beispiel nahe gelegene Blockheizkraftwerke oder eine Art "Grundbelastung", wo auch immer die herkommt. DAS wäre zu untersuchen und zu diskutieren. Aber deshalb die Grenzwerte infrage zu stellen, also einfach zu behaupten, NO₂-Werte von mehr als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wären keine Gefahr für die Gesundheit, ist unlogisch. Aus dem Ganzen folgt, dass ein Fahrverbot möglicherweise nicht alle Quellen für Stickoxide erfasst und somit nicht immer sinnvoll ist. Mit anderen Worten: Man macht es sich zu einfach. Vielleicht auch, um Wiederstand gegen die lästigen Grenzwerte zu provozieren?

In dieser Debatte wird auch immer wieder argumentiert, dass Kerzen viel mehr NO₂ produzieren und deshalb die Grenzwerte unsinnig sind. Auf WDR5 wurde berichtet, dass der NO₂-Richtwert für Innenräume (60 Mikrogramm) bei 4 Kerzen (Adventskranz) bereits nach 6 Minuten überschritten ist. Auch in Bezug auf Feinstaub habe ich auf gesund.co.at die Empfehlung gefunden, Kerzen nur ein- bis zweimal pro Woche für wenige Stunden zu benutzen und danach gut zu lüften. Dahinter steht natürlich die Hoffnung, dass draußen die Belastung deutlich geringer ist...

Offiziell sind an deutschen Büroarbeitsplätzen laut Bundesgesundheitsblatt bis zu 60 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter Innenraumluft als "Maximale Arbeitsplatz-Konzentration" (MAK) erlaubt. Das liegt deutlich über dem Grenzwert für Außenluft. Dabei muss man sich aber vor Augen halten, was das Ziel der Festlegung des Grenzwertes auf 40 Mikrogramm NO₂ war: gesundheitliche Risiken sollten auch für Kinder, Alte und Kranke weitgehend ausgeschlossen sein. Es darf in diesem Zusammenhang aber nicht unerwähnt bleiben, dass für Produktionsstätten ein noch wesentlich höherer Grenzwert von 950 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt ist. Ich gehe davon aus, dass dies einfach ein Zugeständnis an die Industrie ist. Es gibt allerdings auch Studien, nach denen bei gesunden Ratten auch bei kurzfristig sehr hohen NO₂-Konzentrationen keine gesundheitlichen Auswirkungen beobachtet wurden.

Wenn ein Toxikologe argumentiert, die Grenzwerte für Außenluft seien auch deshalb zu streng, weil sich Stadtbewohner sowieso zu mehr als 70% des Tages in Innenräumen aufhalten, so ist er wohl etwas weltfremd und geht davon aus, dass niemand lüftet.

Übrigens: Die Motortemperatur der Diesel-Kfz wurde zuletzt immer höher, denn je höher die Temperatur, desto weniger Feinstaub im Abgas. Aber je heißer eine Flamme, desto mehr Stickoxide entstehen. Auch durch noch so geschickte Motorsteuerung lässt sich also nicht beides reduzieren.

Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO₂) - Nachtrag

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass das Positionspapier der Lungenfachärzte mehrere Rechenfehler enthält.



Tempolimit auf Autobahnen
13.02.2019

"Der CO₂-Ausstoß im Straßenverkehr wird durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht maßgeblich beeinflusst: Laut einer Studie des Umweltbundesamtes reduzieren sich bei Tempo 120 die CO₂-Emissionen um 9 Prozent – bezogen auf den Pkw-Verkehr auf Autobahnen. Dort wird etwa ein Drittel der Pkw-Fahrleistung erbracht, sodass die CO₂-Einsparung bezogen auf den gesamten Pkw-Verkehr bei lediglich 3 Prozent liegen würde. Der Pkw-Verkehr wiederum verursacht etwa 13 Prozent der CO₂-Emissionen in Deutschland. Die Einsparungen würden somit national weniger als 0,5 Prozent betragen." (https://www.adac.de/verkehr/positionen/tempolimit-autobahn-deutschland/)

"In den vergangenen Jahren steigt der durch Autos verursachte Ausstoß des Treibhausgases CO₂ laut dem Statistischem Bundesamt kontinuierlich an. Im Jahr 2017 wurden insgesamt rund 115 Millionen Tonnen CO₂ in die Atmosphäre geblasen - fast sieben Millionen Tonnen mehr als noch 2010. Grund dafür sind gestiegene durchschnittliche Motorleistungen, mehr Fahrzeuge und auch insgesamt mehr zurückgelegte Kilometer auf deutschen Straßen." (https://www.n-tv.de/wissen/Was-bringt-Tempo-130-auf-Autobahnen-article20821169.html)

In dieser Debatte fehlt mir die Information, welche voraussichtlichen Auswirkungen ein solches Tempolimit auf den Absatz von hochmotorisierten und spritfressenden PKW hätte. Würde sich dieser Absatz zugunsten sparsamerer Fahrzeuge verringern? Um wieviel Prozent würde dies den CO₂-Ausstoß zusätzlich senken? Natürlich wäre ein Umsatzrückgang bei den teuren Fahrzeugen nicht im Sinne der Autoindustrie...

Tempolimit auf Autobahnen - Nachtrag

"Nützt ein Tempolimit dem Klima? Zu dieser Frage gibt es in Deutschland nur eine einschlägige Studie. Sie ist 1999 vom Umweltbundesamt (UBA) erstellt worden und stützt sich auf Daten von 1992. Damals fuhren die Autos im Mittel 120, und 15 Prozent der Autos hatten ein Tempo von mehr als 148 Kilometern pro Stunde. Die Studie berechnete für das Jahr 1996, dass ein Tempolimit auf Autobahnen von 120 Kilometern pro Stunde etwa neun Prozent der Emissionen oder 2,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen würde. Im Jahr 2005 könnten es sogar drei Millionen Tonnen sein, so eine Schätzung, vor allem weil im Osten Deutschlands dann auf sanierten oder neuen Autobahnen weniger Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten würden als bei Abschluss der Studie. Praktisch die gleichen Reduktionen schrieb die Behörde in einer Studie von 2010 für 2020 und 2030 fort – ohne neue Zahlen erhoben zu haben." (https://www.spektrum.de/wissen/was-bringt-ein-tempolimit-wirklich/1624494)

Will uns die Politik und der ADAC für dumm verkaufen und behaupten, die Situation auf den Autobahnen - z.B. die Verkehrsdichte - und die Technik der Fahrzeuge - z.B. Motorleistung und Schadstoffausstoß - habe sich in den letzten mehr als 25 Jahren nicht geändert?



Parität
08.03.2019

Wenn gefordert wird, eine Gruppe von Menschen paritätisch mit Frauen und Männern zu besetzen, wäre es dann nicht konsequent, eine Parität auch für Jüngere und Ältere zu fordern?





Aus "Die smarte Diktatur - Der Angriff auf unsere Freiheit" von Harald Welzer

...

Der weltweite Datenverkehr belief sich 1992 auf rund 100 Gigabyte am Tag, heute sind es 16144 Gigabyte in der Sekunde, 2019 sollen es schon 51974 Gigabyte sein. Die nächstgrößeren Einheiten sind Terrabyte, Petabyte und Exabyte, danach kommen vermutlich Fantastabytes. Aber all das ist nichts Immaterielles.

Wollte man diesen materiellen Input symbolisieren, könnte zum Beispiel jeder Smartphone-Benutzer einen mittelgroßen Kühlschrank hinter sich her ziehen (...). Der materielle und energetische Aufwand zur Erzeugung beider Geräte, Smartphone oder Kühlschrank, ist etwa gleich groß; das Smartphone konsumiert in der Anwendung aber mehr Energie und wird häufiger gegen ein neues ausgetauscht.

Also: Es müsste mindestens eine Gefrierkombination mit Eiswürfelbereiter, Typ amerikanische Vorabendserie, sein, den der informationelle Konsument hinter sich her ziehen müsste, um seinen Aufwand darzustellen. Das tut er aber nicht. Er hat lediglich einen flachen, eleganten Bildschirm bei sich, dessen Form keine Spur davon erkennen lässt, wieviel Arbeit, Material, Logistik, Transport, Energie u.s.w. in das Gerät geflossen sind und dessen Funktionen sorgfältig verborgen halten, dass jeder Quatsch, den man mit ihm machen kann, eine unendliche Menge Energie kostet. Nein, nicht nur die, die aus dem eigenen Akku gezogen wird und ersetzt werden muss, sondern auch die, die jede Anwendung am anderen Ende, bei all den Providern, kostet. Und natürlich auch dort, und hier schließt sich der Kreis, wo mitgehört, mitgelesen und mitgeschaut wird.

... Aber der Nutzer zieht eben keine Kühl- und Gefrierkombination hinter sich her, wenn er auf sein Smartphone starrt, sondern schaut nur auf und wischt über das Display seines hocheleganten, wertig designten mobilen Endgerätes, dessen Energiebedarf beim Aufladen des Akkus an der heimischen Steckdose befriedigt wird. Denkt er. In Wahrheit stellt aber jede Abfrage von irgendetwas die Aktivierung eines vernetzten Systems dar, erzeugt also Energienachfrage an einer ganz anderen Stelle der Welt. Gerade das aber wird durch das Design der Kommunikationstechnologie insgesamt unsichtbar gemacht.

Das geschieht zum einen durch die Suggestionen, die die einschlägigen Begriffe erzeugen: Eine "Cloud" stellt man sich ja amorph und körperlos vor, sie ist aber nichts anderes als eine sehr handfeste Serverfarm und besteht aus Beton, Stahl, Blech, Glas, Kunststoff, Schrauben, Kabeln, Klobrillen und so weiter. Auch die Apps, die ohne Unterlass verwendet werden, sind Programme, die nicht ohne Strom laufen, twittern braucht Ernergie, die irgendwo erzeugt werden muss ebenso wie das Schießen, Teilen und Hochladen von Fotos und Videos jeglicher Art. Nichts davon ist ohne Umweltkosten zu haben. Aber nie wird davon gesprochen.

...

Ein Smartphone, das einen sozial und ökologisch korrekten Preis hätte - der auf Arbeitsbedingungen westeuropäischen Standards und vermiedenen bzw. kompensierten Umweltschäden plus der eigentlichen Gestehungskosten beruhen würde -, würde schätzungsweise zwischen 2000 und 3000 Euro kosten. Tja, Teenies, da staunt ihr! Da es aber unter solchen Voraussetzungen kaum möglich wäre, mittelfristig alle Menschen der Welt und vorerst mal 1,8 Milliarden mit Smartphones auszustatten, muss man für erheblich geringere Preise sorgen, und das geht nur, indem man Menschen ebenso ausbeutet wie Naturressourcen.

...

Wenn man sich all das genau anschaut, müsste man aber statt von einer Wertschöpfungskette von einer "Gewaltschöpfungskette" sprechen, die in dem jeweiligen Endprodukt steckt, das so harmlos, freundlich und nutzbringend daherkommt. Wert wird ja mit Wegwerfprodukten nicht geschöpft, sondern zerstört. Und irgendwo, an irgendeiner Stelle dieser Kette, gab es wahrscheinlich Gewalt und Zwang, Unrecht und Selbstmord, Naturzerstörung und Abfall. Man sieht dem Unterhemd das aber so wenig an wie dem Smartphone, wie allem anderen, was unserer Kaufkraft zur Verfügung steht. Manchmal stürzt so eine Fabrik zusammen, in der T-Shirts, die reiche Mitteleuropäer für 2,99 Euro kaufen wollen, hergestellt werden. Das gibt dann 1000 tote junge Frauen, schade. Meist wird anschließend untersucht, wie sich das Unglück ereignen konnte. Aber diese Untersuchungen sind überflüssig, denn die Antwort ist längst bekannt: SIE wollten einfach nicht mehr bezahlen.

...



Anstand
19.03.2019

Verlieren bestimmte Menschen, die etwas erreichen wollen, oder die ihre Ansichten verbreiten und durchsetzen wollen, zunehmend jegliches Maß und jeglichen Anstand? Aktuelle Beispiele: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der im Kommunalwahlkampf (verpixelte) Ausschnitte aus den Videoaufnahmen des Christchurch-Schützen, der 50 Muslime tötete, zeigt. Oder Klaus Peter Krause, der unter der Überschrift "Kindermissbrauch" über die Rattenfänger scheibt, die die armen, von nahezu allen Seiten desinformierten Kinder "mit ihrem Singsang von der Klimakatastrophe" aus den Schulen zur Demo auf die Straße locken. Oder US-Präsident Donald Trump, der in großem Stil Unwahrheiten verbreitet und mit fast allen Mitteln - z.B. durch Ausrufen des nationalen Notstands - seine Politik durchsetzen will. Und natürlich die vielen Machhaber, denen das eigene Wohl wesentlich wichtiger ist als das Wohl ihres Volkes. Na ja, die gab es wohl schon immer. Aber warum sind solche Menschen immer noch in Amt und Würden? Und dann gibt es ja auch noch die Menschen, die im Internet boshaft und hasserfüllt oder einfach nur berechnend menschenverachtende Beträge veröffentlichen.

Anstand - Nachtrag

Ein weiteres Beispiel sind die hasserfüllten Beschimpfungen und üblen Nachreden gegenüber Greta Thunberg.



Verschwörungstheorie
21.03.2019

Wie kommt es eigentlich, dass Nationalismus, Ausländerfeindlichkeit, EU-Feindlichkeit und Klimawandelleugnung so oft Hand in Hand gehen? Steckt da noch etwas anderes dahinter? Wer würde von einem schwachen, zerstrittenen Europa, von extremen politischen Gegensätzen und Unfrieden in den Staaten und auch vom Klimawandel profitieren? Wo gibt es auch jetzt schon Verhältnisse, wie sie die Rechten anstreben? Und wo gibt es entsprechende Möglichkeiten der Einflussnahme? Muss man da nicht an Russland denken? Der "begründete Verdacht", dass es sowohl bei den letzten amerikanischen Präsidentschaftswahlen als auch bei der Brexit-Abstimmung russische Einflussnahme (pro Trump und pro Brexit) gab, würde dafür sprechen. Auch würde Russland mindestens in einer Beziehung von einem ungebremsten Klimawandel profitieren, nämlich wenn dadurch das Nordpolarmeer an Russlands Nordküste länger oder sogar generell eisfrei und schiffbar wäre. Von den besser zugänglichen Bodenschätzen ganz zu schweigen. Na ja, wahrscheinlich ist das nur eine weitere neue Verschwörungstheorie...



Klimawandel
29.03.2019

Vielleicht bietet der Klimawandel der Natur die Gelegenheit, sich vom Menschen zu erholen. Das wäre eine interessante Analogie zum Fieber. Dabei gehe ich nicht davon aus, dass die Menschheit in absehbarer Zeit aussterben wird. Ich halte es aber für möglich, dass die menschliche Zivilisation bei weitgehend ungebremst fortschreitendem Klimawandel durch weltweite Hungersnöte, Verteilungskämpfe etc. teilweise oder sogar weitgehend zusammenbricht oder zumindest zurückgeworfen wird.



Enteignung
08.04.2019

Grünen-Chef Robert Habeck hat in einem Interview Enteignungen als letztes Mittel im Kampf gegen die Wohnungsnot nicht ausgeschlossen. Es geht dabei um den zwangsweisen Verkauf von Privatbesitz zum Wohl der Allgemeinheit. Und es geht um Wohnungsunternehmen, die mit Wohnungen rücksichtslos möglichst hohe Gewinne erwirtschaften wollen. Diese Äußerung stieß auf heftigen Widerspruch bei wichtigen Politikern von CDU/CSU, FDP und SPD. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so heftigen Widerspruch gab, wenn es um Enteignungen von Privatpersonen z.B. für den Braunkohlentagebau oder für Verkehrswege ging.



Donald Trump
31.05.2019

Mai 2018
"Die USA verlassen das Iran-Atomabkommen - den für Präsident Trump 'schlechtesten Deal aller Zeiten'. Er setzte zudem Sanktionen gegen Teheran ein und warf dem Regime 'Lüge' vor." (https://www.tagesschau.de/ausland/iran-deal-usa-101.html)

Mai 2019:
"US-Präsident Donald Trump hat unter Umgehung des Kongresses Rüstungsgeschäfte im Wert von acht Milliarden Dollar mit Saudi-Arabien zugelassen. Die Regierung habe wegen der Spannungen mit dem Iran den nationalen Notstand erklärt, teilte US-Außenminister Mike Pompeo am Freitag mit. Dieser Schritt erlaubt es der Regierung, die übliche Prüfung durch den Kongress zu umgehen." (https://www.welt.de/politik/ausland/article194161341/USA-Trump-verkauft-an-Kongress-vorbei-Waffen-an-Saudi-Arabien.html)

Da sage noch einer, Trump hätte keinen Plan...



Warum das Weltwirtschaftssystem weiter zerfallen wird (Spiegel Online vom 14.07.2019)



Erstaunliches

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Klimawandel, pragmatisch
09.08.2019

"Hoffe auf das Beste und plane für das Schlimmste." (Lee Child)

Man liest vom weltweiten Rückgang der Wälder, von unzähligen geplanten oder im Bau befindlichen Kohlekraftwerken, von Kipppunkten, von weit verbreiteter Ignoranz und Untätigkeit angesichts des weltweiten Klimawandels. Die Aussicht, dass der Temperaturanstieg auf ein "tolerables" Maß begrenzt werden kann, scheint mehr und mehr zu schwinden. Wäre es dann nicht Aufgabe der Politik in Europa, sich darauf einzustellen und rechtzeitig dafür zu sorgen, dass die Folgen für Europa abgemildert werden? Mit anderen Worten: Die Bemühungen, den CO₂-Ausstoß zu senken, sollten natürlich weiter verfolgt werden. Selbst wenn der Einfluss auf das Weltklima nicht ausschlaggebend ist, so hat Europa und insbesondere Deutschland eine Vorbild-Funktion. Aber nicht um jeden Preis. Denn mir fallen auf Anhieb noch weitere Bereiche ein, in die mit Blick auf die Zukunft auch investiert werden sollte:

Eine Region, die die Folgen des Klimawandels einigermaßen abmildern kann, wird allerdings bevorzugtes Ziel von Klimaflüchtlingen sein. Das müsste natürlich auch mit eingeplant werden.



Zu den Aussagen von Clemens Tönnies beim "Tag des Handwerks"
13.08.2019

Ich finde, neben der viel diskutierten sogenannten "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" sollte man auch darauf hinweisen, dass Herr Tönnies suggeriert, dass man in Europa keine Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel unternehmen muss, wenn man in Afrika ein oder zwei grundlegende Probleme löst, und dass eine Lösung ganz einfach ist. Ich bin der Ansicht, dass die großen Probleme der heutigen Zeit so komplex, verzahnt und von mächtigen Interessengruppen beeinflusst sind, dass eine echte Lösung immer schwieriger, wenn nicht gar unmöglich wird. Wer etwas anderes behauptet, muss sich in meinen Augen den Vorwurf des Populismus gefallen lassen.



Deutschland – Niederlande am 06.09.2019 in Hamburg
September 2019

«Die Choreographie der deutschen Fans beim Spiel gegen die Niederlande lautete "Volley" - das Ergebnis einer Änderung in letzter Sekunde. (…) Zunächst sollte das Wort "Vollgas" über der Zeile "Von Hamburg über München nach London" stehen, die den erhofften Weg der DFB-Auswahl bis ins EM-Finale 2020 vorgeben sollte. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf Anfrage bestätigte, wurde die Änderung am Mittag vorgenommen, um etwaige Fehlinterpretationen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte vor allem im Ausland auszuschließen.»
(https://www.sueddeutsche.de/sport/volley-statt-vollgas-deutsche-fan-choreo-kurzfristig-geaendert-1.4591649)

"Vollgas" ist anscheinend kein durch die Nationalsozialisten geprägtes Wort. Es wird aber mit der NS-Zeit in Verbindung gebracht, weil das Wort "Gas" darin vorkommt, und weil Gas von den Nationalsozialisten zum massenhaften Töten von Menschen benutzt wurde. Es gibt natürlich typische Worte aus dieser Zeit, die absolut tabu sind. Aber "Vollgas"? Soll es soweit kommen, dass jeder Angst haben muss, einen Shitstorm auszulösen, weil die – vielleicht auch nur entfernte - Möglichkeit bestehen könnte, eine Äußerung oder ein Statement falsch zu deuten? Aber wahrscheinlich war es richtig, dass das Wort "Vollgas" nicht verwendet wurde, da man dadurch mutwillige Fehlinterpretationen und böswillige Unterstellungen sowie hitzige Diskussionen halbwegs eingedämmt hat. - Na, wenigstens ist die Stadion-"Gastronomie" nicht ins Visier geraten…

Übrigens: Dürfen die Spieler auch nicht mehr auf dem Feld stehen und im Angriff, im Sturm (als Stürmer) oder in der Abwehr spielen? Womöglich darf auch niemand mehr auf's Tor schießen



Militärgruß von Fußballspielern türkischer Nationalität oder Abstammung
20.10.2019

Vielleicht sollten alle anderen Fußballer mit einer universellen Friedensgeste ein Zeichen setzen. Dabei gibt es nur ein Problem: während der militärische Gruß und auch das Siegeszeichen (V=Victory) allgemein bekannt sind, gibt es für den Friedenswunsch anscheinend keine algemeinverständliche eindeutige Geste. Sollte einem das zu denken geben?

Anmerkung: Manche interpretieren die V-Geste als Friedensgeste. Ich muss dabei aber immer an Josef Ackermann und seine Geste im Gerichtssaal denken (Link). Außerdem: eine Siegesgeste als Friedensgeste?



Das Ansehen der Bundesregierung
05.11.2019

Ich finde es merkwürdig, dass es immer mehr Mode zu sein scheint, sich pauschal negativ und abfällig über die Bundesregierung und ihre Arbeit zu äußern, anstatt gezielt Kritik zu üben. Haben sich inzwischen die rechten Parolen schon in den Köpfen vieler Bundesbürger festgesetzt? Laut Umfrage der Bertelsmann Stiftung sind 44% der Befragten der Meinung, dass nur ein kleiner Teil bzw. kaum welche der Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag umgesetzt werden (Bertelsmann Stiftung - Besser als ihr Ruf). Diese Stimmung wird wahrscheinlich dazu beitragen, dass mehr Menschen nicht zu den nächsten Wahlen gehen oder aber eine Partei vom äußersten Rand des politischen Spektrums wählen. Vielleicht profitieren auch die anderen Oppositionsparteien. Eine Regierungsbildung wird jedenfalls wohl immer schwieriger werden.

Nun gilt die Bertelsmann Stiftung als relativ politik-nah. Aber die Süddeutsche Zeitung hat im Juni 2019 eine eigene Untersuchung veröffentlicht, die zu dem Schluss kommt, dass von 140 im Koalitionsvertrag vom März 2018 identifizierten selbstgesteckten Zielen bzw. Versprechen

sind. Wer sich selbst eine Meinung bilden möchte, findet hier den Artikel mit der vollständigen Liste.

Ob auch alle wichtigen Themen und aktuellen Herausforderungen im Koalitionsvertrag stehen, ist natürlich eine ganz andere Frage.



Aus
"Radikalisierungsmaschinen - Wie Extremisten die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren"
von Julia Ebner

(...)

Am Digital Forensic Research Lab der NATO müssen viel zu wenige Leute viel zu viele Wahlen überwachen. "Geschätzt verbreiten über 100.000 Webseiten Desinformation", erzählt mir Donara, "aber gute, von echten Fact-Checkern betriebene Websites gibt es nur ein paar Dutzend." Mit anderen Worten: Wir sind ständig in der Unterzahl. Das Oxford Internet Institute hat allein für das Jahr 2017 in 48 Ländern von staatlicher Seite organisierte Social-Media-Manipulationskampagnen nachgewiesen. Seit 2010 sind mehr als eine halbe Milliarde Dollar in psychologische Operationen und Kampagnen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung geflossen. Taktisch kam dabei alles zum Einsatz zwischen automatisierten Accounts, angeheuerten Kommentarschreiberteams und gezielten Online-Werbekampagnen. Bei den meisten Kampagnen ging es darum, während einer Krise oder im Vorfeld entscheidender Ereignisse wie Wahlen oder Referenden Falschinformationen in Umlauf zu bringen.

Der Vertrauensverlust in unabhängige Informationsquellen ist ein schleichendes Gift, das droht, die tragenden Säulen unserer Demokratie anzugreifen. Die Erosion des bürgerlichen Diskurses, politische Lähmung, Entfremdung und Unsicherheit gehören zu den schwerwiegenden Konsequenzen dieses Verfalls der Wahrheit als Wert - 'Trueth Decay', wie Forscher der RAND Corporation das Phänomen bezeichnen. Die Wahrheit verschwindet nicht über Nacht, aber im Laufe der letzten Jahre konnten wir beobachten, wie sie auf allen möglichen Ebenen nach und nach erodiert ist:

Zunächst kam das gestiegene Misstrauen gegenüber der Politik- und Finanzelite. (...) In der zweiten Stufe eskalierte das Misstrauen gegenüber den etablierten Medien und den akademischen Institutionen.

(...)

Die größte Troll-Armee Europas - die Reconquista Germanica - hat klare politische Ziele. (...) Seit sie im September 2017 von dem prominenten rechtsextremen Youtuber Nikolai Alexander gegründet wurde, hat die Gruppe der politischen Elite und allen linken Aktivistinnen und Aktivisten den totalen Krieg erklärt. Nur wenige Tage später hatte Alexanders Troll-Armee schon einige tausend Mitglieder, denen militärische Ränge zugewiesen wurden.

(...)

Der erste große Meilenstein für Reconquista Germanica war die Beeinflussung der Bundestagswahl in Deutschland im September 2017. In den Wochen vor der Wahl gelang es den Trollen, ausgedachte Geschichten, Anti-Merkel-Meme [Meme: kleine Medieninhalte - Text, Bilder, Video, Audio - die im Internet verbreitet werden] und rechte Hashtags [Hashtags: ins Auge springende Schlagworte, die die Suche in bestimmten Netzwerken erleichtern sollen] in die Top-Social-Media-Trends zu katapultieren. Es ist relativ einfach, Computersysteme so zu manipulieren, dass sie die Reichweite einer bestimmten Kampagne maximieren und die Relevanz eines Themas in der Wahrnehmung erhöhen. Die 'Trending-Topics'-Funktionen bei Facebook und Twitter ermöglichen es beispielsweise Einzelpersonen und Gruppen, für ein bestimmtes Thema den Eindruck von großem öffentlichem Interesse entstehen zu lassen, völlig unabhängig davon, ob dem tatsächlich so ist oder was der jeweilige Inhalt bezwecken will.

Über die Verbreitung von Desinformation und das Säen von Zwietracht gelang es der Reconquista, den politischen Diskurs im Internet zugunsten der AfD zu verschieben. Sieben ihrer Hashtags schafften es in die deutschen Top-Trends, die erfolgreichsten davon waren #TraudichDeutschland, #nichtmeinekanzlerin, #merkelmussweg und #reconquista. Sogar offizielle AfD-Accounts teilten schließlich manche ihrer Hashtags und Inhalte, was der Reichweite ihrer Kampagne zusätzlichen Schub verschaffte und sie letztendlich in den Mainstream brachte.

(...)

Einige der Aktivitäten der Reconquista Germanica stützen sich auf das sogenannte Handbuch für Medienguerillas, eine Anleitung für Informationsoperationen im digitalen Raum, das die Identitären wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2017 veröffentlichten. In der Anleitung heißt es: "Wir alle verarschen gerne Opfer im Internet. Die Bezeichnungen dafür sind vielfältig: Trollen, shitposten, ficken, memetische Kriegsführung oder einfach nur verarschen." Das Handbuch spricht von "Massivem Luftschlag" und "Sniper Missionen" im Cyberspace. Eine Sniper Mission wäre zum Beispiel ein zielgerichteter verbaler Angriff auf einen "großen Feind-Account", mit der Perspektive, die hinter dem Account stehende Person zu beleidigen oder runterzumachen. Die Anweisungen für den Massiven Luftschlag hingegen empfehlen, "visiere direkt auf Accounts vom Gegner: Politiker, Promis, Staatsfunk, usw. und knall die Comments voll". Um die automatisierten Blockade- oder Löschmechanismen wegen auffällig hoher Aktivität zu umgehen, wird allen Trollen empfohlen, nach zwei oder drei Tweets den Account zu wechseln.

Meme sind das wichtigste Manipulationswerkzeug rechter Trolle (...)

Bilanz
Alle extremistischen Bewegungen, die ich in diesem Buch untersucht habe - von weißen Nationalisten und Neonazis über Islamisten und Antifeministinnen bis hin zu Verschwörungstheoretikern -, nutzen neueste Technologien, um ihr rückwärtsgewandtes Gesellschaftsmodell durchzusetzen. Ihre Vorstellungen von Gesellschaft, Kultur und Regierungsform sind radikal gestrig. Doch ihre Ansätze, diese Vorstellungen umzusetzen, sind radikal zukunftsorientiert. Dieses Paradox der Moderne ist es, das aus extremistischen Bewegungen heute mächtige Gegenkulturen und effektive Radikalisierungsmaschinen gemacht hat.

Als Early Adopters ohne Berührungsängste vor technologischen Neuerungen unternehmen Extremisten unterschiedliche Vorstöße, ihre Sympathisanten auf gänzlich neue Weise zu radikalisieren, Einfluss zu nehmen auf den Mainstream und ihre politischen Gegener einzuschüchtern. Dafür nutzen sie die neuartigen Möglichkeiten, die soziale Medien, Big Data, Black-Box-Algorithmen, FinTech und künstliche Intelligenz ihnen bieten. Was nicht nur das Wesen von Radikalisierung und Terrorismus von Grund auf verändert, sondern auch unsere Machtverhältnisse, Informationssysteme und demokratischen Prozesse neu definieren könnte.

(...)

Nachtrag
17.12.2019

Warren Buffet soll gesagt haben: „Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“.

Wenn man nun liest, wie ungehindert extreme Gruppen weltweit ihre Kampagnen durchziehen können, muss man da nicht zu dem Schluss kommen, dass die Reichen und Superreichen dieser Welt nichts dagegen haben? Es hat den Anschein, als gingen sie davon aus, dass ihnen das Ganze im Endeffekt nützen wird.

Die Aktivitäten der radikalen und zum Teil weltweit untereinander vernetzten Gruppen scheinen eine echte Gefahr für die freien und demokratischen Gesellschaften unserer Zeit zu sein. Vielleicht kann man in diesem Zusammenhang sogar vom "internationalen digitalen Terrorismus" sprechen.

Aus all dem kann man doch nur folgenden Schluss ziehen: Bei allem, was man im Internet liest, sieht oder hört muss man sich fragen, ob das von einem Menschen wie du und ich kommt, oder von einer Gruppe mit einer bestimmten Absicht bzw. einem dubiosen Ziel. Und man muss versuchen, sich nicht zu sehr von unbekannten Quellen beeinflussen zu lassen.



Algorithmen: So bestimmt Künstliche Intelligenz über dich (W wie Wissen, 07.03.2020)



Corona
18.05.2020

Im Internet kursieren viele Videos zur Corona-Pandemie, nicht zuletzt auch eines, in dem ein Intensivmediziner aus der Schweiz unter anderem auf vier vorgebliche Tatsachen hinweist:

  1. Für die meisten Menschen besteht kein signifikant erhöhtes Risiko an dieser Erkrankung zu sterben
  2. Der Schutz von Risikogruppen verhindert eine Bettenknappheit auf Intensivstationen
  3. Durch die aktuellen Maßnahmen wird eine breite Immunisierung verhindert
  4. Wegen Corona sterben zur Zeit Menschen aufgrund mangelnder medizinischer Versorgung an Herzinfarkten und Schlaganfällen

Zu 1.: Außer für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen. Man darf aber nicht vergessen, dass der Anteil der Über-67-jährigen ca. 20% beträgt. Zuzüglich der Personen mit Vorerkrankungen würde ich die Größe der Risikogruppe grob auf 25% schätzen. - Kein kleiner Anteil der Bevölkerung.
Zu 2.: Das ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. VIELLEICHT hätte diese Maßnahme bereits ausgereicht, um die Anzahl Todesfälle zu begrenzen. Das Dumme ist, dass die Bundesregierung nur einen Versuch hatte...
Zu 3.: Anscheinend weiß noch niemand, ob es nach einer Infektion zu einer dauerhaften Immunität kommt.
Zu 4.: Es ist generell nicht klar, ob sich der Arzt auf Deutschland bezieht oder auf ein anderes Land. Für Deutschalnd kann ich mir das nicht vorstellen. Für Italien zum Beispiel schon, wenn ich an die Bilder von völlig überlasteten Krankenhäusern dort denke.

Richtig ist sicherlich, dass niemand überängstlich oder panisch sein sollte. Schließlich ist die Pandemie in Deutschland relativ gut unter Kontrolle. Aber natürlich darf man nicht vergessen, dass anscheinend noch niemand mit Sicherheit weiß, ob es eine dauerhafte Immunität nach einer überstandenen Infektion gibt (ich vermute, das ist auch eine Schwierigkeit bei der Entwicklung eines Impfstoffes), ob die (weitgehend) Symptomfreien dauerhaft symptomfrei bleiben werden, was für langfristige Folgen eine Infektion haben kann, und was genau zu einem schweren Verlauf der Krankheit führt. Der Vergleich mit dem Grippe-Virus hinkt, denn den kennt man aus langjähriger Erfahrung und hat in der Regel vorsorglich genügend passenden Impfstoff - zumindest für die Risikogruppen.

Ja, es gibt in Deutschland zur Zeit sicherlich keinen Anlass zur Panik. Davon habe ich bis jetzt auch noch nicht gehört. Aber es gibt auch keinen Anlass zur Verharmlosung. Schließlich lag die gesamte Zahl der Todesfälle in Europa in diesem Jahr in den Kalenderwochen 13-16 anscheinend um ca. 100.000 über dem langjährigen Durchschnitt. (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-uebersterblichkeit-103.html)

Alles in allem bin ich der Meinung, dass die Corona-Pandemie auch zu den schon weiter oben charakterisierten komplexen Problemen gehört, die man nicht für alle Beteiligten befriedigend lösen kann.

Das Original-Video wurde inzwischen übrigens entfernt. Zu den Gründen ist bisher nichts bekannt.



EU - Rechtsstaatlichkeit
20.07.2020

Manche Staaten der EU (Polen und Ungarn) wollen nicht, dass bestimmte Zuwendungen der EU nur unter der Voraussetzung der Rechtsstaatlichkeit im Empfängerland gewährt werden. Damit geben sie doch im Grunde die fehlende Rechtsstaatlichkeit im eigenen Land zu. Sonst bräuchten sie sich ja nicht gegen eine entsprechende Klausel zu wehren.

Mich wundert aber, dass diese Staaten überhaupt noch vollwertige Mitglieder der EU sind. Denn anscheinend verletzen sie ja Artikel 2 des EU-Vertrags:

"Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. Diese Werte sind allen Mitgliedstaaten in einer Gesellschaft gemeinsam, die sich durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnet."



Alexa: Wie mächtig ist Amazon? | WDR Doku



Unser täglich Gift ... (W wie Wissen, 17.10.2020)



China
01.12.2020

In einem Artikel der "Neue Züricher Zeitung" ist zu lesen, dass China anscheinend seine wirtschaftliche Macht nutzen will, um andere Staaten – in diesem Fall Australien – zu einem China gefälligen Verhalten zu drängen oder im schlimmsten Fall zu zwingen. Zitat: "Undiplomatisch fordern Chinas Diplomaten, dass Canberra eine Liste mit 14 Forderungen erfüllt. Darin geht es auch um Kernwerte der australischen Demokratie."

Auf solche Provokationen und solche Versuche der Einmischung der chinesischen Führung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten kann es doch eigentlich nur eine Antwort geben: alle demokratischen Staaten müssen sich einig sein und ihre Zusammenarbeit untereinander intensivieren, um gemeinsam ein Gegengewicht zu China zu bilden und die Abhängigkeit einzelner Staaten von China zu reduzieren.



Rassismus-Vorfall in der Champions League am 08.12.2020 in Paris
09.12.2020

«Die Gäste sind dermaßen aufgebracht über die ausgebliebene Sanktionierung Kimpembes, dass jetzt der vierte Mann den Ton setzen will - und einen besonders verärgerten Vertreter des Stabs der Türken, den kamerunischen Co-Trainer Pierre Achille Webó, auf die Tribüne schicken möchte. Das liegt aber nicht in seiner Kompetenz. Coltescu ruft deshalb seinen Chef Hategan zu sich, und als der wissen will, wen er denn rausschicken müsse, zeigt Coltescu in die Istanbuler Schar und sagt: "negru". (...) Coltescu und Hategan erklären, dass "negru" das rumänische Wort für schwarz sei. Doch das beruhigt die Gemüter nicht. Ba findet, Coltescu habe sich eine rassistische Entgleisung geleistet: "Einen Weißen", sagt der gebürtige Franzose, "hätten Sie nicht 'den Weißen' gerufen."»
(Süddeutsche Zeitung)

Schon wer jemanden als schwarz bezeichnet, ist ein Rassist? Haben da nicht alle etwas überreagiert, um zu demonstrieren, wie sehr sie Rassismus und Diskriminierung verabscheuen? Ich sehe die Rassismus-Vorwürfe gegen die Schiedsrichter erst einmal als Unterstellung an bis jemand etwas anderes beweisen kann. Wenn sich z.B. herausstellen würde, dass der vierte Schiedsrichter den Co-Trainer nicht wegen seines besonders auffälligen Verhaltens sondern wegen seiner Hautfarbe herausgepickt hat, um ihm die rote Karte zu geben, dann wäre das eindeutig Diskriminierung. Oder wenn der Schiedsrichter den Co-Trainer persönlich beschimpft hätte, könnte das auch auf Rassismus hindeuten. Oder wenn sich herausstellen würde, dass es eine reine Schutzbehauptung war, das rumänische Wort "negru" verwendet zu haben.

Ich kann mir übrigens schon vorstellen, dass das Wort "alb" (weiß) gefallen wäre, wenn die betreffende Person die einzige weiße Person in der Gruppe gewesen wäre. Vielleicht sollten ALLE Personen, die irgendwie zur Mannschaft gehören, Leibchen mit Nummern oder Buchstaben tragen, damit sie eindeutig identifiziert und benannt werden können.

NO TO RACISM - ALL LIVES MATTER



Calvin und Hobbes
(Mindener Tageblatt vom 24.12.2020)

Calvin:
"Ich mache mir keine Illusionen mehr über Neujahr.
Nie ist es wirklich neu. Jedes neue Jahr ist genau wie das alte!
Jetzt ist wieder ein neues Jahr vorbei, und alles ist noch genauso! Es gibt immer noch Umweltverschmutzung, Krieg, Dummheit und Habgier! Nichts hat sich geändert!
Was ist das für eine Zukunft, frage ich!! Ich dachte, alles soll besser werden! Ich dachte, die Zukunft soll besser sein!"

Hobbes:
"Das Problem mit der Zukunft ist, dass sie immer wieder zur Gegenwart wird."